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ZAR-Generalversammlung 2021

„Die einzige Konstante der Rinderzucht ist die Veränderung!“

ZAR-Generalversammlung 2021

Nahezu alle Delegierten kamen zur diesjährigen Generalversammlung der ZAR. 

Die Spitzenfunktionäre der heimischen Rinderzucht kamen am Freitag, den 11. Juni 2021, in den Salzburger Heffterhof zur jährlichen Generalversammlung der Zentralen Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Rinderzüchter.

Obmann Stefan Lindner und Geschäftsführer DI Martin Stegfellner zeigten in ihren Berichten die Herausforderungen in der Zuchtviehvermarktung sowie in der Leistungskontrolle und Qualitätssicherung in Zeiten von Covid 19 auf.

ZAR-Generalversammlung 2021

Obmann Stefan Lindner berichtete über die Aktivitäten und Weiterentwicklungen des vergangenen Jahres.

 

Durch den permanenten Fach- und Informationsaustausch mit dem Landwirtschafts- und dem Gesundheitsministerium konnten praxistaugliche Lösungen im Sinne der Züchterinnen und Züchter erarbeitet werden. So wurden die Verhaltensregeln für die Zuchtviehvermarktung in Abstimmung mit Landwirtschafts- und dem Gesundheitsministerium mehrmals überarbeitet und den gesetzlich notwendigen Schutzmaßnahmen angepasst. Die Vermarktung und die Leistungs- und Qualitätskontrollen konnten damit im „Sicherheitsmodus“, wie Stefan Lindner betonte, durchgeführt werden. Mit der Rinderversicherung Agrar Rind, angeboten über die Österreichische Hagelversicherung, gibt es nun neben der herkömmlichen Absicherung der Rinder gegen Unfall, Krankheit, Nottötung und Seuchen eine neue Absicherung von genetisch wertvollen Rindern.

Der Tiertransport nahm im vergangenen Jahr medial und politisch eine gewichtige Rolle ein. Um einen objektiven Eindruck sowohl vom Ablauf der Transporte als auch von den Bedingungen in den Zielländern zu haben, begleitete die ZAR bereits einen Kälbertransport nach Spanien, einen Zuchtrindertransport nach Aserbaidschan sowie einen Kalbinnenexport ins türkische Lüleburgaz. Dabei wurden die Bedingungen während des Transports sowie der Kontrollstellen dokumentiert. Darüber hinaus wurden Zuchtbetriebe, die heimische Zuchtkalbinnen angekauft haben sowie Schlachtbetriebe besucht. Ein umfassendes Bild- und Videomaterial zeigt nun, dass es möglich ist, Langstreckentransporte in Drittländer gesetzeskonform und vor allem tierwohlgerecht durchzuführen“, so Lindner. Seinen Bericht schloss der Obmann mit den Worten: „Die einzige Konstante der Rinderzucht ist die Veränderung!“, womit er auf die zahlreichen Initiativen sowie technischen als auch strukturellen Weiterentwicklungen innerhalb der heimischen Rinderzucht hinwies.

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Geschäftsführer DI Martin Stegfellner präsentierte eine ausgeglichene Bilanz und gab einen Überblick über die laufenden
Forschungsprojekte.

 

Covid 19 beschleunigt Digitalisierung in der Rinderzucht zusätzlich

„Um eine österreichweite digitale Alternative für die Tiervermarktung anzubieten, hat sich die Mehrheit der Zuchtverbände dazu entschlossen, die gemeinsame Versteigerungsplattform Kuh4You anzubieten. Diese steht seit Mitte März dieses Jahres österreichweit zur Verfügung. Die Plattform selbst gibt es bereits seit über drei Jahren. Damals wurde diese über die Firma G+Z Software GmbH gemeinsam mit der Rinderzucht Steiermark entwickelt.

Ebenso konnte im Zuge der Digitalisierungsoffensive auch das Herdebuch Austria fertiggestellt werden, das seit Anfang Jänner 2021 online verfügbar ist. Zuchtbetriebe können hier auf eigenem Wunsch die Abstammungs- und Leistungsdaten ihrer Zuchttiere veröffentlichen und so einem breiten Interessentenkreis zugänglich machen“, berichtete Martin Stegfellner. Das Service steht unter https://herdebuch.at/ zur Verfügung. „Im Zuge der Digitalisierungsoffensive steht in diesem Jahr sowohl die technische als auch die grafische Neuausrichtung der Homepage der ZAR/ZuchtData auf der Agenda, um diese an die modernen Anforderungen anzupassen. Die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten bei den Projekten „D4Dairy“ und „FoKUHs“ laufen auf Hochtouren, die Bildungsprojekte „Jungzüchterprofi“, das Projekt „Innerlandwirtschaftliche Bildungsinitiative Agrarkommunikation (IBAK)“ und der „Herdenmanager“ werden im Herbst bzw. Anfang des nächsten Jahres wieder neu durchstarten. Die App „Klauenprofi“ zur elektronischen Dokumentation der Behandlungen und Diagnosen im Zuge der Klauenpflege sowie eine Webanwendung zur Optimierung der Effizienz und Tiergesundheit im Milchviehbetrieb stehen bereits zur Verfügung. Ebenso wurde heuer das Projekt zum Aufbau eines österreichischen Tiergesundheitsdienstes ÖTGD initiiert, mit dem Ziel, sich im Haus der Tierzucht in Wien anzusiedeln. So können wir die Partnerschaft sowohl fachlich als auch organisatorisch auf eine neue Ebene heben“, so DI Martin Stegfellner.

ZAR-Generalversammlung 2021

Ing. Martin Mayerhofer (GF ZuchtData GmbH) zeigte anhand von 20 Jahren ZuchtData die strukturellen und technischen Anpassungen der Datenerhebung und -verarbeitung auf.

 

Neues Zuchtwertschätzverfahren mit noch mehr Informationen

Ein weiterer Meilenstein in der Rinderzucht war am 7. April 2021 mit der Umstellung aller Zuchtwertschätzverfahren für die Rinderrassen Fleckvieh und Brown Swiss auf das sogenannte Single Step Verfahren. Ein elfköpfiges internationales Wissenschaftlerteam, darunter drei aus Österreich, hat mehr als zwei Jahre an der Entwicklung der Methode für insgesamt zehn Merkmalskomplexe, die mehr als fünfzig Eigenschaften von Rindern abbilden, gearbeitet. Die neue Methode bringt eine erhebliche Verbesserung der Vorhersagegenauigkeit für die genetischen Eigenschaften von jungen und sehr jungen Tieren und ermöglicht somit mehr Zuchtfortschritt in kürzerer Zeit. Mit diesem neuen System werden ab sofort genomische Zuchtwerte in einem Schritt (Single Step) für alle männlichen und weiblichen Tiere berechnet. Bisher wurden zuerst konventionelle Zuchtwerte geschätzt und darauffolgend mit den Ergebnissen anhand der Typisierungen kombiniert. Zehn Jahre nach der Einführung der genomischen Selektion stehen mit diesem neuen Schätzverfahren nun noch mehr Informationen zur Verfügung.

Forcierung Kalbfleisch „Made in Austria“

Die Vorjahres-Generalversammlung stand im Zeichen der Abstimmung zur verpflichtenden Herkunftskennzeichnung. Stefan Lindner stellte die Forderung zu einer „lückenlosen, verbindlichen Herkunftskennzeichnung auf dem Teller“ sowie die Forderung einer „politischen und finanziellen Unterstützung von Qualitätsprogrammen, insbesondere für Kalbfleisch“, zur Abstimmung, die von den Delegierten einstimmig angenommen wurde. Mit Nachdruck bekräftigte Lindner auch heuer wieder die Bedeutung dieser gesetzlichen Kennzeichnungspflicht, in der er einen wesentlichen Faktor zur Ankurbelung der heimischen Produktion sieht und billige Importlebensmittel dadurch verringert werden können. „Mit der verpflichtenden Herkunftskennzeichnung auf dem Teller gibt man sowohl den KonsumentInnen als auch den Bäuerinnen und Bauern eine faire Chance in der Auswahl der Lebensmittel und der Entscheidung über die Entwicklung der zukünftigen Versorgungssicherheit“, so Lindner, und spricht in diesem Zusammenhang auch den Dank an Bundesministerin Elisabeth Köstinger für die rasche und vor allem erfolgreiche Umsetzung der heimischen Kalbfleischstrategie aus, die in den einzelnen Bundesländern bereits ihre Wirkung zeigt. Frei nach dem Motto Forcierung von Kalbfleisch „Made in Austria“, wie es die Bundesministerin in einem kürzlich geführten Interview mit der RINDERZUCHT AUSTRIA formulierte.

 

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Die RINDERZUCHT AUSTRIA bedankt sich bei Tierzuchtdirektor Dr. Thomas C. Jutz für seine jahrelange Mitgestaltung der österreichischen Rinderzucht über den Vorstand der RINDERZUCHT AUSTRIA, v.l.: Tierzuchtdirektor Erwin Brunner, Obmann Stefan Lindner, Dr. Thomas C. Jutz, DI Martin Stegfellner, Obmann Stv. Ing. Sebastian Auernig.  

 

Ehrungen verdienter Persönlichkeiten

Die Generalversammlung der RINDERZUCHT AUSTRIA wählte einstimmig den Salzburger Tierzuchtdirektor Ing. Bruno Deutinger in den Vorstand.

Die Wahl fand aufgrund der Pensionierung des  langjährigen Vorstandmitglieds Dr. Thomas C. Jutz statt. Jutz war von 2010 bis 2015 im Aufsichtsrat der ZuchtData und danach im Vorstand der RINDERZUCHT AUSTRIA vertreten.

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Für seine langjährigen Verdienste um die österreichische Rinderzucht erhielt Ing. Johann Tanzler, Geschäftsführer von FLECKVIEH AUSTRIA von 2007 bis 2021, zu  seinem Pensionsantritt ein Ehrenpräsent der RINDERZUCHT AUSTRIA überreicht, v.l.: DI Martin Stegfellner, FLECKVIEH AUSTRIA-Obmann Ing. Sebastian Auernig, Ing Johann Tanzler, Obmann Stefan Lindner.                                                            

 

Ing. Johann Tanzler, von 2008 bis 2021 Geschäftsführer von FLECKVIEH AUSTRIA, trat mit Juni 2021 seine Pension an. Er war 18 Jahre lang im Aufsichtsrat der ZuchtData. Stefan Lindner bedankte sich bei beiden Herren für die jahrelange konstruktive Zusammenarbeit und überreichte jeweils eine aus Lindenholz geschnitzte Jungkuh.

 

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