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Zucht- und Nutzrindervermarktung

Österreich im Sicherheitsmodus

Kunden aus den österreichischen Nachbarländern kauften im Jahr 2019 ein Viertel aller Tiere, die meisten gingen an Kunden in den vorder- und zentralasiatischen Raum.   

 

Das Corona Virus und die damit verbundenen Maßnahmen zur Eindämmung der Verbreitung haben Österreich fest im Griff. Österreich ist im Sicherheitsmodus, auf Notbetrieb heruntergefahren. Dies geht auch an der Rinderwirtschaft nicht spurlos vorbei. Am 25. Februar 2020 wurde in Österreich erstmals das Coronavirus entdeckt. Unmittelbar darauf brachte das Gesundheitsministerium am 27. Februar bundeseinheitliche Richtlinien heraus, fast täglich kamen neue Maßnahmen hinzu. Die Versteigerungen für Zuchtrinder werden bis auf weiteres abgesagt. Um Ausnahmen für die Kälber- und Nutzviehabsatzmärkte in Österreich zu erreichen, wurden kürzlich Verhaltensregeln von der ZAR in Abstimmung mit dem Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (BMLRT) und mit der Landwirtschaftskammer Österreich (LK Ö) erarbeitet, die bis auf Weiteres umzusetzen sind. Details dieser Maßnahmen finden Sie in der Rubrik Aktuelles auf www.zar.at. „Ziel ist es, mit diesen rigorosen Maßnahmen das Übertragungsrisiko zu minimieren. Somit trägt auch die Rinderzucht mit all diesen Vorsichtsmaßnahmen zur Entschleunigung der Ausbreitung des Coronavirus bei. Die Folgen auf die Zuchtviehmärkte sind noch schwer abschätzbar, da auch aufgrund der verschärften Einreiseverbote in vielen Ländern der Export von Zuchttieren stark eingeschränkt wurde“, zeigt sich ZAR-Obmann Stefan Lindner besorgt. „Denn die Landwirtschaft und insbesondere die Rinderwirtschaft leisten gerade in Krisenzeiten wie diesen einen entscheidenden Beitrag. Jetzt ist es wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren. Ich bedanke mich sehr herzlich bei allen Bäuerinnen und Bauern, die mit ihrer täglichen Arbeit einen wertvollen Beitrag für die Versorgungssicherheit der österreichischen Bevölkerung leisten“, so Lindner. Die Erschließung neuer und vor allem die Aufrechterhaltung bisheriger Zuchtviehmärkte über internationale Landwirtschaftsmessen ist derzeit ebenfalls nicht möglich. Zahlreiche Messen wurden bis auf weiteres abgesagt.

 

Zuchtrinderexport: Wertschöpfung für die heimische Landwirtschaft

Im Jahr 2019 wurden um 9% weniger Tiere exportiert.                                             

Die österreichische Rinder- und Milchproduktion ist mit einem Anteil von fast 30 Prozent (2,2 Mio. Euro) am gesamten landwirtschaftlichen Produktionswert (7,4 Mio. Euro) ein wichtiger Produktionszweig innerhalb der österreichischen Landwirtschaft. Mit der Rinder- und Kälberproduktion wurden im vergangenen Jahr 856
Mio. Euro erwirtschaftet. Alleine die Zuchtviehexporte brachten für die heimische Landwirtschaft eine zusätzliche Wertschöpfung von 44 Mio. Euro. Das ist ein wichtiges zusätzliches Einkommen für die heimischen Bauern, die laut Grünem Bericht im Jahr 2018 einen Rückgang des landwirtschaftlichen Einkommens von minus 3,7% zu verzeichnen hatten. Der Durchschnittspreis über alle Rassen hinweg auf den insgesamt 135 durchgeführten Versteigerungen betrug € 1.712,-- (netto, ohne Zuchtkälber weiblich). Die Preise lagen damit im Schnitt ein Prozent unter jenen von 2018. Die Ab-Hof-Preise lagen bei € 1.348,-- (netto, inkl. Stiere, Kühe, Kalbinnen und Jungkalbinnen, ohne Zuchtkälber weiblich) und damit € 41,-- bzw. 3,2% über dem Vorjahreswert. Der Außenhandel mit Agrar-Erzeugnissen boomte regelrecht im vergangenen Jahr und konnte laut vorläufigen Zahlen der AMA um
6,5% auf 12,3 Mrd. Euro zulegen. Der wertmäßige Anteil heimischer Zuchtrinder beträgt immerhin 0,36%.

Aufbau Rinderzucht im Zielland

60 Prozent der Zuchtrinder wurden von Drittländern angekauft. Die Exporte werden nach den strengen Vorschriften der EU-Tiertransport-
verordnung (1/2005), deren Vorgaben bis zum Bestimmungsort, also auch außerhalb der EU, eingehalten werden müssen, durchgeführt.                                             

 

Nach der erfolgreichen Lieferung der Tiere erhalten Kunden österreichischer Zuchtrinder oftmals Schulungen vor Ort. Es werden auch Seminare in Österreich für internationale Kunden organisiert. Ein wesentlicher Inhalt dieser Schulungen sind auch der Besuch von heimischen Zuchtbetrieben, auf denen die praktische Arbeit mit Schwerpunkt Rinderzucht, Tiergesundheit und betriebliches Management vermittelt wird. Mit diesen Maßnahmen können landwirtschaftliche Betriebe vor Ort nachhaltig aufgebaut und eine funktionierende Rinderzucht gewährleistet werden. Der österreichische Weg der Rinderzucht basiert schon seit vielen Jahren auf Fitness, Gesundheit und Langlebigkeit sowie zum überwiegenden Teil auf Doppelnutzung. Genau dieser Weg ist nachhaltig und zeitgemäß und ist auch international sehr gefragt.

Weniger Zuchtrinderexporte im Jahr 2019

Im vergangenen Jahr konnten knapp 26.000 Tiere für den Export selektiert werden, allerdings um 9,2% oder 2.600 Tiere weniger als im Jahr 2018. Die meisten Zuchtrinder auch heuer wieder in den vorder- und zentralasiatischen Raum mit 10.600 exportierten Tieren (42%) geliefert. 4.600 Tiere oder 18% aller Exporttiere gingen in unser Nachbarland Italien. Nordafrika sowie die restliche EU importierten jeweils 8% oder 2.000 Stk. Die Transporte selbst werden nach strengen gesetzlichen Vorgaben von den Exportfirmen durchgeführt. Schließlich liegt es ja im Interesse aller Beteiligten, dass die Tiere bei bester gesundheitlicher Verfassung bei den Käufern ankommen.

Die Zucht- und Nutzrindervermarktung ist ein essentieller Bestandteil für die österreichische Rinderwirtschaft und trägt stark zur Absicherung der Versorgungssicherheit einerseits und zur Absicherung unserer bäuerlichen kleinstrukturierten Landwirtschaft anderseits bei. Die derzeitig aufflammende Kritik an Tiertransporten aufgrund längeren Grenzwartezeiten durch die Restriktionen rund um Covid-19 kann von Seiten der RINDERZUCHT AUSTRIA nicht nachvollzogen werden. Alle Zuchttiertransporte die seit Beginn der Krise in Drittstaaten durchgeführt wurden, wurden kürzlich von den Behörden überprüft. Dabei wurde bestätigt, dass alle Tiere wohlbehalten und gesund angekommen und alle tierschutzrechtlichen Anforderungen rund um den Tiertransport eingehalten wurden.

Das Foto zeigt die Ankunft des LKWs in Baku, Aserbaidschan: Der Transport dauert insgesamt 7 Tage, inkludiert sind 3 x 24 Stunden Pause für die Tiere.                                 

Ankunft der Tiere wohlbehalten und mit bester Gesundheit am Betrieb QOC-ET KFT MMC. Dieser liegt unmittelbar vor den Toren Bakus und auch nicht weit entfernt vom Kaspischen Meer.

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