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Kälbertransport – Wie läuft es am Weg nach Italien?

Die Kritik an Tiertransporten reißt nicht ab. Der Zentralen Arbeitsgemeinschaft der Rinderzüchter ist es daher wichtig zu zeigen, dass die Transporte aus Österreich den gesetzlichen Vorgaben entsprechen, den Tieren auf dem Transport kein Leid widerfährt und sie wohlbehalten am Ziel ankommen. 

Abb 1_Kälber Bergheim

Abb 1.: Kälber im Stall der Erzeugergemeinschaft in Bergheim/Salzburg

Mitte Februar, kurz vor Beginn der Corona-Krise in Italien begleitete Simoen Steiner von der ZAR daher Österreichische Kälber auf ihrem Weg nach Italien und dokumentierte die Durchführung der Transporte entsprechend der gesetzlichen Rahmenbedingungen.

Gestartet hat die Reise wieder in Bergheim bei Salzburg, wo jeden Montag Kälber aus vielen Regionen Österreichs angeliefert und verkauft werden. Im Winter waren bedingt durch die oft  saisonale Abkalbung deutlich mehr Kälber am Markt anzutreffen, als das im Sommer, als die ZAR den Transport von Bergheim nach Spanien begleitet hat, der Fall war. Die Arbeitsabläufe waren aber exakt die gleichen. Die Kälber müssen entsprechend der EU Tiertransportverordnung 1/2005 nach der Anlieferung an der Sammelstelle mindestens 6 h Zeit zum Ausruhen haben und waren entsprechend ihres Geschlechts und ihrer Rassen in Boxen mit Einstreu und Zugang zu Wasser untergebracht (Abb.1).

Abb. 2_Tränken Bergheim

Abb. 2: Versorgung der Kälber mit Milchaustauscher vor der Verladung

Unmittelbar vor dem Transport werden alle Tiere, die auf Langstreckentransporte gehen, mit Milchaustauscher versorgt. Dazu werden sie in Gruppen von 20 Tieren in eine Box mit Nippeltränken gebracht und von vier Schülern der HBLA Ursprung beim Trinken unterstützt (Abb. 2).

Abb. 3_Warnsystem

Abb. 3: Temperaturüberwachungssystem in Fahrerhaus des LKW

Jedes Kalb kann so gut versorgt und gefüttert auf die Reise gehen. Die LKW sind entsprechend der Verordnung für Langstreckentransporte zugelassen und mit einem Tränkesystem, einem Navigationssystem und einem Temperaturüberwachungssystem ausgestattet. Von den gesetzlichen Vorgaben abweichende Temperaturen im Laderaum des LKWs werden dem Fahrer in der Fahrerkabine angezeigt (Abb.3).

Abb. 4_LKW

Abb. 4: Ausreichendes Platzangebot am LKW

Die Kälber laufen nach dem Tränken selbständig und ohne Stress in die LKWs und legen sich, ihren physiologischen Bedürfnissen nach der Tränkung entsprechend ins Stroh und schlafen. Die Fahrer schätzen dieses System, weil die Kälber über weite Teile der Route ruhig liegen. Das Platzangebot im LKW entspricht den gesetzlichen Forderungen, die Tiere haben meistens sogar deutlich mehr Platz, so dass sie sich bewegen und bequem liegen können (Abb 4).

Abb. 5_Abladen

Abb. 5: Abladen

Abhängig von der Menge der vorhandenen Kälber und der Nähe zum Bestimmungsort werden die Tiere entweder direkt für einen Langstreckentransport abgefertigt und direkt zum Zielbetrieb in Norditalien gefahren, oder sie reisen ebenfalls auf einem Langstreckentransport über die Kontrollstelle in Bozen, wo sie abgeladen und mit Milchaustauscher getränkt werden.

Am 24.2. wurden die Kälber aus Bergheim direkt zu Betrieben in Italien transportiert, wo sie am Morgen des 25.2. ankamen. Die Mitarbeiter der ZAR hatten die Gelegenheit die Ankunft und Versorgung der Tiere auf einem Fressererzeugerbetrieb zu beobachten. Die Kälber kamen mit sehr gutem Allgemeinbefinden an und stiegen selbständig vom LKW (Abb. 5).

Abb. 6_Tränken nach Ankunft

Abb. 6: Erste Versorgung der Kälber nach dem Abladen

Sie wurden immer zu viert in Boxen aufgeteilt.

Die Tiere wurden sofort nach dem Abladen von den Besitzern des Betriebes mit Milchaustauscher getränkt. Das in Italien vorherrschende Tränkesystem ist für die Kälber ungewohnt, doch mit sehr viel Ruhe, Geschick und vor allem Routine schafften es die Männer, dass jedes der angekommenen Kälber den Kübel mit Milch eigenständig austrank. Auf die Frage von Simone Steiner gaben sie an, dass es immer ca. 2 Tage dauere, bis alle Kälber selbständig aus den neuen Tränkekübeln trinken (Abb 6).

Abb. 7_Bozen

Abb. 7 Kälber in der Kontrollstelle in Bozen

Die Haltung der Kälber auf Spaltenböden war für die Betrachterin ungewohnt, muss den Tiere doch in Österreich bis zu einem Körpergewicht von 150 kg eine trockene, weiche und verformbare Liegeflächen zur Verfügung stehen. Die Tiere, die auf dem besuchten Betrieben angetroffen wurden, sahen aber alle sehr gut aus und die Besitzer berichteten von Ausfallsraten unter 1 % was für ein sehr gutes Management spricht.

Simone Steiner hatte während der Reise auch die Möglichkeit die Sammel- und Kontrollstelle der Firma Bozen Import zu besichtigen. Kälber aus Tirol und Vorarlberg werden nicht mehr über Bergheim sondern auf Langstreckentransporten über die Sammelstelle in Bozen transportiert. Werden sie an Betriebe in Norditalien verkauft, machen Sie Pause, werden mit Milchaustauscher getränkt und dort zum Teil auch mit Kälbern aus Bayern neu gruppiert und dann zu den Zielorten transportiert. Entsprechend des Veterinärabkommens zwischen Italien und Österreich gilt bei diesen Langstreckentransporten Bozen als Bestimmungsort, die Behörden in Vorarlberg und Tirol werden im Nachhinein über den wirklichen Bestimmungsort jedes Kalbes in Italien informiert.

Abb. 8_Tränken Bozen

Abb. 8: Versorgung der Kälber an der Kontrollstelle in Bozen

Werden die Kälber aus Westösterreich nach Vic in Spanien verkauft, machen sie an der neuen  Kontrollstelle in Bozen, die ensptrechend der VO 1255/97 zugelassen ist, eine mindestens 24 h dauernde Pause und werden dort versorgt (Abb. 7 und 8). Die Transportdauer nach Spanien beträgt dann nur noch ca. 15 h.

Abb.9_Milchmastbetrieb

Abb. 9: Kälber in einem Milchmastbetrieb

Moritz Lintner von der Firma Bozen Import bot der Mitarbeiterin der ZAR auch noch die Möglichkeit in Italien Milchmastbetriebe, weitere Fressererzeuger- und Einstellerbetriebe mit Tieren aus Österreich zu besuchen. Auf den Milchmastbetrieben werden bevorzugt Gebrauchskreuzungen eingestallt (Abb. 9).

Abb. 10_Mischration

Abb. 10: Die Kälber erhalten zusätzlich zur Milch eine Mischration

Die Kälber werden zusätzlich zur Milch mit einer zugekauften Mischration gefüttert. Sie erhalten zu Beginn 2 mal 3 Liter Milch, später bis zu 10 Liter Milch und bis zu 5 kg der Mischration, die hauptsächlich aus Mais-, Soja- und Erbsenschrot, Maissilage, Weizenstroh  besteht (Abb. 10). Eine tägliche Zunahme von durchschnittlich 1500 g kann so erzielt werden.

Abb. 11_Fresser Stroh

Abb. 11: Österreichische Kälber auf einem Fressererzeugerbetrieb

In Fressererzeugerbetrieben werden gerne Fleckviehkälber eingestellt, in Endmastbetrieben besonders Mutterkuhkälber aus Kreuzungsrassen. In allen Betrieben wurde sehr viel Wert auf den Gesundheitszustand jedes einzelnen Tieres gelegt und geringe Ausfallsraten sind das erklärte Ziel (Abb. 11 und 12).

Abb. 12_Fresser Spalten

Abb. 12: Österreichische Kälber auf einem Fressererzeugerbetrieb

Auch die Eindrücke dieser Reise bestätigte den Mitarbeitern das hohe Niveau, auf dem Langstreckentransporte von Österreichischen Rindern durchgeführt werden. 

Abb. 13_Mastrinder Stroh

Abb. 13: Österreichische Rinder in Mastbetrieben in Italien

Die gesetzlichen Anforderungen werden voll erfüllt und die Organisatoren sind ständig ehrgeizig bemüht, die Bedingunge für die Tiere noch weiter zu verbessern.

Abb. 14_Mastrinder Spalten

Abb. 14: Österreichische Rinder in Mastbetrieben in Italien

Auch an den Bestimmungsorten in Italien steht das Wohl der Tiere im Vordergrund.

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