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Überlegungen zu einer standortgerechten Rinderwirtschaft

Überlegungen zu einer standortgerechten Rinderwirtschaft von Dr. Thomas Guggenberger und Dr. GeorgTerler, HBLFA Raumberg-Gumpenstein.

Überlegungen zu einer standortgerechten Rinderwirtschaft

Die Grafik zeigt die Entwicklung der genetischen Trends der wichtigsten Merkmale aller Kühe am Beispiel der Rasse Fleckvieh auf Basis der letzten ZWS im August 2020. Seit 1990 haben sich die Merkmale Gesamtzuchtwert (GZW) und Milchwert (MW) kontinuierlich verbessert bei konstantem Fleischwert (FW) und leicht steigendem Fitnesswert (FIT) inklusive steigender Nutzungsdauer (ND).      

 

Die standortgerechte Landwirtschaft zieht ihre Vorteile vor allem aus der Nutzung der natürlichen Möglichkeiten und ergänzt erst dann mit ausgleichenden Betriebsmitteln.

Das Ziel ist nicht die Maximalleistung, sondern das Optimum auf der Höhe der natürlichen Fruchtbarkeit des Betriebsstandortes. Diese Definition schließt grundsätzlich keine Betriebsmittel aus, regelt aber die Einsatzmengen und deren Verteilung, damit mögliche negative Wirkungen auf die Umwelt klein bleiben und die Wertschätzung hoch werden kann. Die Rinderzucht in Österreich liefert ein breites Spektrum an Rassen. Entscheidend für die standortgerechte Rinderwirtschaft ist die richtige Auswahl der Rasse im Hinblick auf die am Betrieb erzeugten Futtermittel.

Überlegungen zu einer standortgerechten Rinderwirtschaft

Das Betriebsmanagement-Tool FarmLife – www.farmlife.at – unterstützt Landwirtinnen und Landwirte bei der Betriebsoptimierung nicht nur in ökonomischer Hinsicht sondern zeigt auch die Umweltwirkungen unterschiedlicher Handlungsstränge am Betrieb auf. Tierwohlbewertung, Beurteilung der Treibhausgasemissionen und Vieles mehr sind damit möglich. Die Ergebnisse aus der Betriebsbewertung mit FarmLife sind damit richtungsweisend auf dem Weg zu einer standortgerechten, nachhaltigen Landwirtschaft in Österreich und bieten der Gesellschaft ein deutliches Zeichen für umweltschonenden Lebensmittelkonsum.

 

Grünlandbetriebe können mit proteinreichem Qualitätsfutter und einem Nährstoffausgleich auf das notwendige Protein-Energie-Verhältnis der Ration eine Leistung von 6.500 – 7.000 kg erreichen.

Den Fokus am eigenen Futter zu halten, bedeutet aber auch die Notwendigkeit einer hohen Lebensleistung. Dies erfordert einen besonders hohen Anteil des Bereiches Fitness in den Zuchtprogrammen. Weil die Milchleistung über die Futterbasis aber auf natürlichem Wege limitiert ist, bieten sich Rassen mit besserer Fleischleistung an. Deren Nachkommen haben sowohl bei einer extensiven Aufzucht im Berggebiet als auch bei einer intensiven Mast im Ackerbaugebiet bessere Chancen.

 

Überlegungen zu einer standortgerechten Rinderwirtschaft

Bei einer standortgerechten Haltung von Rindern sind diese in den natürlichen CO2-Kreislauf eingebunden.

 

Mit steigendem Ackerbauanteil steigt in der Regel die Energiedichte im betriebseigenen Futter und eine externe Ergänzung mit Eiweißfutter gewinnt an Bedeutung. Standortgerechte Betriebe können nach einem Ausgleich der Nährstoffbilanzen mit spezialisierten Milchviehrassen Leistungen bis maximal 10.000 kg erreichen. Der limitierte Futterzukauf erhöht auch hier die Bedeutung einer möglichst langen Nutzungsdauer. Die Schwäche der Nachkommen in der Fleischleistung kann nur in speziellen Produktions- und Vermarktungsverfahren kompensiert werden.

Damit die standortgerechte Rinderwirtschaft ökonomisch neutral bilanziert, müssen die Gemeinkosten der defensiven Betriebsstrategie folgen. Die direkten Produktionskosten tun dies, wegen der geringen Futterkosten und der gesunden Tiere, automatisch. Der entscheidende Vorteil entsteht am Betrieb durch die Robustheit des Produktionssystems und im wirtschaftlichen Bereich durch die Wertschätzung der umweltverträglichen Produktion durch die Gesellschaft. Mit dem sinkenden Betriebsmitteleinsatz in allen Bereichen des Betriebes sinken sowohl die Mitverantwortung für Umweltschäden in der Vorleistung (Maschinenindustrie, Bauwirtschaft, Energiewirtschaft, Landesproduktenhandel) als auch für die negativen Wirkungen am eigenen Betrieb. Es steht fest, dass eine flächendeckende, standortgerechte Landwirtschaft pro ha Betriebsfläche eine günstigere Ökobilanz haben wird und damit die nationale Gesamtfracht an Treibhausgasen, Nährstoffverlusten und Toxizität sinkt. Darauf kommt es jetzt an!

Sonderausgabe Klima 3

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