Sprachauswahl


Klimawandel - Die Rinderwirtschaft im Fokus

Wir erinnern uns an das Jahr 2006. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO - Food and Agricultural Organization) veröffentlich eine Studie, in der die weltweite Viehwirtschaft für einen Treibhausgas (THG)-Anteil von 18 % verantwortlich gemacht wurde.

Obwohl die Ergebnisse der Studie umgehend nach unten revidiert wurden und der globale Anteil mittlerweile auf aktuell 4 % geschätzt wird, hat sich der Begriff „Die Kuh als Klimakiller“ in der Gesellschaft festgesetzt.

Die Kuh wurde über Jahrzehnte zu Unrecht als Klimakiller bezeichnet. Ohne zu bedenken, dass der Wiederkäuer vor allem bei standortgerechter Haltung, wie wir es im Artikel von Thomas Guggenberger und Georg Terler (HBLFA Raumberg-Gumpenstein) in dieser Ausgabe lesen, in den natürlichen Näherstoffkreislauf eingebunden ist. Eine weitere Studie der FAO aus 2016 bezeichnet die Kuh als eine wichtige Stütze in der globalen Eiweißversorgung. Das bestätigt auch Werner Zollitsch (BOKU) in seinem Beitrag zur weltweiten bedeutenden Rolle der Kuh hinsichtlich der Ernährungssicherheit. Stefan Hörtenhuber (BOKU) hat uns im aktuellen Sondernewsletter brennende Fragen rund um das Thema Kuh und Klimawandel beantwortet.

Klimawandel - Die Rinderwirtschaft im Fokus

Die Referenten bei der groß angelegten Tagung zum Klimaschutz im Jahr 2011, v.l.: Mag. Martin Längauer (LK Ö), Dr. Barbara Amon (BOKU), DI Michael Anderl (Umweltbundesamt), Ök.-Rat Anton Wagner (ZAR-Obmann), Dr. Franz Rubel (Vetmeduni), Dr. Christiane Podiwinsky, Dr. Werner Zollitsch (BOKU), Dr. Birgit Fürst-Waltl (BOKU), Dr. Gerhard Breves (TIHO Hannover), M.Sc. Monika Zehetmeier (TU München), Dr. Jochen Kantelhardt (BOKU), Dr. Qendrim Zebeli (Vetmeduni), Mag. Franz Sturmlechner (ZAR-GF), Dr. Christa Egger-Danner (ZuchtData).

Die österreichische Rinderzucht beschäftigt sich bereits seit geraumer Zeit zum Thema Landwirtschaft und Klima. Bereits im Mai 2011 initiierte die ZAR eine zweitägige Tagung zu „Klimaschutz und Energieeffizienz in der Rinderwirtschaft“ mit ExpertInnen aus Wissenschaft, Ministerium, Interessensvertretung und aus der Praxis, um Forschungsansätze für diesen Bereich zu diskutieren. Eine der Ergebnisse aus dieser Tagung war unter anderem das umfangreiche Datenerhebungsprojekt Efficient Cow. Maßnahmen zur Reduktion müssen die verschiedenen Teilbereiche in der Landwirtschaft und jeden einzelnen Betrieb inkludieren (Genetik, Fütterung, Weide, Haltungssystem, Entmistung und Lagerung, Düngerausbringung, Bodenbewirtschaftung, ...).

Die Rinderzucht ist permanent gefordert, in ihrem Bereich die entsprechenden züchterischen Möglichkeiten zu setzen. Wie sich THG-Emissionen aus züchterischer Sicht verringern lassen sowie das mögliche Potential für die Zukunft, das erläutert Christa Egger-Danner (ZAR/ZuchtData) in ihrem Beitrag.

Klimawandel - Die Rinderwirtschaft im Fokus

Zwei der Eddy-Kovarianz Messstationen sind derzeit auf dem Lindhof der Uni Kiel, Deutschland, im Einsatz.

 

National sowie auch international wird im Rahmen verschiedener Projekte in diesem Bereich aktuell sowie auch intensiv geforscht. Die deutschen Partner arbeiten u.a. an den Projekten eMissionDairy und eMissionCow, mit dem Ziel, die Futtereffizienz züchterisch zu verbessern und den Methanausstoß zu reduzieren. Ein Vorgängerprojekt in Deutschland war OptiKuh (2015-2018) mit Bündelung der Daten aus den deutschen Forschungsstationen.

Die Höhere Bundeslehr- und Forschungsanstalt Raumberg-Gumpenstein betreibt derzeit zwei Respirationskammern zur Messung von Treibhausgasemissionen von Kühen. Seit Juli 2020 messen sogenannte Eddy-Kovarianz-Stationen auf dem ökologischen Versuchsgut Lindhof der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) den Methanausstoß von Weidekühen unter Realbedingungen.

Klimawandel - Die Rinderwirtschaft im Fokus

Die Grafik zeigt die Entwicklung der Treibhausgasemissionen von 1990 bis 2019 in Österreich, in Mio. t CO2-Äquivalente. 

 

Emissionen in der Landwirtschaft gehen zurück

Die Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft gingen von 1990 - 2019 lt. Umweltbundesamt insgesamt um 14,9 % zurück, zum Vergleich: die Emissionen aus dem Verkehr nahmen um 75,4 % zu. Das beruht unter anderem darauf, dass sich die Anzahl der Milchkühe von 1990 bis 2019 von 904.617 auf 524.068 Kühe (-42,1 %) reduzierte.

Der Gesamtbestand der Rinder ist von 2,583.914 auf 1,912 808 Tiere (-26,0 %) im selben Zeitraum zurückgegangen. Die produzierte Milchmenge ist in diesem Zeitraum lt. der ZAR-Jahresberichte von 3,349 Mio. t auf 3,781 Mio. t angestiegen (+12,9 %). Die züchterischen Maßnahmen als auch Verbesserungen im Herdenmanagement haben dazu beigetragen, dass im gleichen Bezugszeitraum die Milchleistung bei stabiler Nutzungsdauer, Tiergesundheit und Lebendmasse deutlich erhöht werden konnten. Die Lebensleistung konnte bei allen Herdebuchkühen über alle Rassen hinweg von 1990 bis 2019 von 19.860 auf 30.313 kg Milch um über 50 % gesteigert werden. Die Nutzungsdauer ist im gleichen Zeitraum bei allen Rassen weitgehend konstant geblieben. In Kombination mit gleichbleibender Lebendmasse und weitgehender Stabilisierung der Tiergesundheit konnte die Effizienz der Produktion massiv gesteigert und dadurch auch die Treibhausgasemissionen pro kg Milch deutlich reduziert werden.

Sonderausgabe Klimanewsletter 3

zurück