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Die österreichische Rinderzucht: Erfolgreich und nachhaltig

Der österreichische Weg der Rinderzucht basiert auf Fitness, Gesundheit und Langlebigkeit sowie zum überwiegenden Teil auf Doppelnutzung.

Die österreichische Rinderzucht: Erfolgreich und nachhaltig

Jeden Montag werden die mindestens zwei Wochen alten Kälber in Bergheim verladen und ins spanische Vic verbracht.                            

 

Dieser Weg ist nachhaltig und zeitgemäß. Vor allem die jahrzehntelange Zucht auf Fitness, Gesundheit und Langlebigkeit zeigt die erfreuliche Entwicklung in diesen Bereichen. Die Grafik zur Entwicklung der genetischen Trends auf der nächsten Seite zeigt den erfreulichen genetischen Anstieg der Nutzungsdauer der vergangenen Jahre. Die österreichischen Hauptrassen Fleckvieh, Braunvieh, Holstein, Pinzgauer und Grauvieh bringen im Schnitt rund vier Kälber zur Welt. Die genomische Selektion leistet zum Zuchtfortschritt durch ein gezieltes Erbfehlermonitoring einen erheblichen Beitrag zu Tierwohl und Tiergesundheit.

Tiertransporte sind derzeit ein intensiv diskutiertes Thema. Schockierende Bilder aus dem Nahen Osten werden bewusst oder auch unbewusst mit österreichischen Langstreckentransporten in Verbindung gebracht. Diese Transporte werden nach den strengen gesetzlichen Rahmenbedingungen der Europäischen Union durchgeführt. Dafür bürgen renommierte Exportfirmen sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Erzeugergemeinschaften. Österreich hat auch deutlich strengere Vorschriften für Tiertransporte als viele EU-Staaten, denn Zuchttiertransporte dürfen nur unter höchsten Standards nach Drittstaaten erfolgen. Innerhalb von Österreich gilt die 4½ h-Obergrenze bei Schlachttiertransporten, EU-weit liegt diese bei 8 h. Der Gesetzgeber erlaubt ausschließlich den Export von Nutzrindern und hochwertigen Zuchtrindern für den Aufbau einer Milch- und Fleischproduktion in den jeweiligen Zielländern. Zertifikate für den reinen Schlachttiertransport werden keine ausgestellt. Mit einer EU-weiten Regelung mit dem Verbot von Schlachttiertransporten in Drittstaaten hätte der konkrete Fall allerdings verhindert werden können. Auf länderspezifische Schlachtbedingungen kann Österreich keinen Einfluss ausüben.

Die RINDERZUCHT AUSTRIA hat sich in Zusammenarbeit mit der Branche in den letzten beiden Jahren mit größtem Engagement in den selbstkritischen Prozess mit einigen Verbesserungen des Zuchttierexportes im Sinne des Tierwohls eingebracht. Mit der gesamten Branche wird permanent an der Weiterentwicklung der gesetzlichen Standards gearbeitet.

Österreichische Zuchtrinder im Ausland gefragt

Die österreichische Rinderwirtschaft ist mit 33 Rindern je Betrieb international sehr klein strukturiert. Auf 56.400 Betrieben werden 1,88 Mio. Rinder gehalten. Für die heimischen Bäuerinnen und Bauern ist der Zuchtviehexport neben der Produktion von Milch und Fleisch ein wichtig Standbein dar und trägt wesentlich zur Absicherung der Rinderzucht in Österreich bei. 2019 betrug die Zahl der vermarkteten Zuchtrinder knapp 26.000 Stück. Dabei wurde ein Viertel aller Zuchtkalbinnen direkt an Kunden der angrenzenden Nachbarländer verkauft, wobei Italien der stärkste Abnehmer ist, gefolgt von Ungarn, Deutschland, Slowenien und Tschechien. 42% der Tiere gingen nach Vorder- und Zentralasien sowie jeweils 8% nach Nordafrika und in die Europäischen Union.

Kunden österreichischer Zuchtrinder erhalten oftmals Schulungen vor Ort oder können Seminare in Österreich zu den wesentlichen Grundzügen einer erfolgreichen Rinderhaltung besuchen. Die qualitativ hochwertigen österreichischen Zuchttiere sind aufgrund ihrer Vitalität, Fitness und Anpassungsfähigkeit international sehr gefragt. Es liegt im Interesse aller Wirtschaftsbeteiligten, dass die Tiere in bester gesundheitlicher Verfassung beim Zielbauernhof ankommen, vor Ort die Inlandsproduktion ankurbeln und so die Existenzen der Bäuerinnen und Bauern sichern.

Strenge gesetzliche Regelungen

Der Transport von Tieren ist in der EU durch die Tiertransportverordnung (EG) 1/2005, die in Österreich vom Tiertransportgesetz 2007 ergänzt wird, geregelt.

Ein Transport von Tieren darf nicht durchgeführt werden, wenn den Tieren dabei Verletzungen oder unnötige Leiden zugefügt werden könnten. Über diese generelle Anordnung hinaus enthält die EU-Tiertransportverordnung konkrete Bedingungen, wie z.B. die Transportfähigkeit, die Ausstattung der LKWs, Beförderungsdauer, Füttern und Tränken in angemessene Zeitabständen, geschultes Personal u.a. So regelt die Verordnung das Mindestalter der Tiere. Kälber dürfen erst ab einem Alter von 10 Tagen auf kurzen Strecken und erst ab über 14 Tagen auf langen Strecken transportiert werden. Kranke oder verletzte Tiere dürfen gar nicht transportiert werden (Ausgenommen ist nur der Transport zur tierärztlichen Behandlung).

Die LKWs benötigen eine Zulassung für den Transport von Tieren und eine zusätzliche Zulassung für Langstreckentransporte. Dafür müssen Sie mit Navigationssystemen, Wasserversorgungs- und Lüftungssystemen ausgestattet sein. Die Belüftungssysteme müssen so konzipiert sein, dass zu jedem Zeitpunkt während der Beförderung für alle Tiere innerhalb des Transportmittels Temperaturen in einem Bereich zwischen 5 °C und 30°C mit einer Toleranz von +/- 5 °C gehalten werden können. Navigationsdaten und die Temperatur innerhalb des Laderaumes müssen während des Transportes aufgezeichnet und den Behörden auf Wunsch zur Kontrolle vorgelegt werden.

Ist der Versandort eine Sammelstelle, müssen die Tiere zumindest 6 h unangebunden mit ausreichend Einstreu gehalten und mit Wasser versorgt werden. In Österreich werden die Tiere während des sechsstündigen Aufenthaltes vor langen Transporten zusätzlich mit Milchaustauscher versorgt.

Kälber, die noch nicht abgesetzt sind und mit Milch ernährt werden, müssen nach einer Beförderungsdauer von 9 Stunden eine mindestens einstündige Ruhepause erhalten, insbesondere damit sie getränkt und nötigenfalls gefüttert werden können. Nach dieser Ruhepause kann die Beförderung für weitere 9 h fortgesetzt werden.

Nach dieser festgesetzten Beförderungsdauer müssen die Tiere entladen, gefüttert und getränkt werden.

Die Kälbertransporte aus Österreich machen auf dem Weg nach Spanien nach 9 Stunden eine Pause, in der die Kälber getränkt werden. Im Normalfall erreichen die LKWs innerhalb von 19 h die Stadt Vic in Spanien. Die Beförderungsdauer darf unter Berücksichtigung der Nähe des Bestimmungsortes im Interesse der Tiere um zwei Stunden verlängert werden. So ist es auch bei Staus und anderen Verzögerungen möglich, die rechtlichen Rahmenbedingungen einzuhalten. Der Umgang mit den Tieren darf nur geschulten Personen anvertraut werden. Jede Tiersendung muss grundsätzlich von einem Betreuer begleitet werden, wobei auch der Fahrer des Transportfahrzeuges die Aufgaben des Betreuers übernehmen darf. Betreuer und Fahrer müssen über einen Befähigungsnachweis verfügen. Grundlage des Befähigungsnachweises ist ein mindestens acht Stunden umfassender Lehrgang.

Die Durchführung der Transporte erfolgt entsprechend der Tiertransportverordnung. Die Einhaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen wird sowohl bei den Verlade- als auch an den Bestimmungsorten und auf der Straße von den Behörden streng kontrolliert.

Die österreichische Rinderzucht: Erfolgreich und nachhaltig

Die österreichische Rinderzucht fordert schon seit Jahren die lückenlose Deklaration der Herkunft von Lebensmitteln. 

 

Herkunftskennzeichnung wichtiger denn je

Die RINDERZUCHT AUSTRIA fordert schon seit Jahren eine durchgehende Herkunftskennzeichnung der Primärzutaten in der Lebensmittelverarbeitung. Der Großteil der Bevölkerung, die sich außer Haus ernähren, weiß nichts über die Herkunft seiner Speisen. Als Beispiel sei hier erwähnt, dass über 60% des in Österreich verzehrten Kalbfleisches aus dem Ausland kommt. Und das im Land des Wienerschnitzels! Eine klare Deklarierung der Herkunft der Primärzutaten sämtlicher Speisen könnte die KonsumentInnen dahingehend unterstützten, zumindest sich selbst für Kalbfleisch aus Holland oder eben aus Österreich zu entscheiden. In der Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung, wie in Krankenhäusern oder Schulen, besteht keine Transparenz hinsichtlich Herkunft der Lebensmittel. Milch und Fleisch in den verarbeiteten Produkten kommen oft aus Ländern mit Tierwohl- und Hygienestandards weit unter den österreichischen. Für die KonsumentInnen ist daher nur der Preis und nicht die Herkunft und Produktionsbedingungen die Entscheidungsgrundlage. Die beste Maßnahme der ÖsterreicherInnen ist der Griff zum Kalbfleisch mit AMA-Gütesiegel. Sehr positiv hervorzuheben sind die zahlreichen regionalen Aktivitäten zur Förderung des heimischen Rindfleischabsatzes. Stellvertretend für die vielen Markenprogramme sei hier die Initiative des Kalbfleisches Rosé der ARGE Rind hervorzuheben, das sich durch 100% regionales Fleisch auszeichnet. Die zartrosa Färbung des „Rosé Kalbs“ stammt von der natürlichen Ernährung der bis zu 8 Monate alten Kälber. Sie werden von den LandwirtInnen mit Milch und Mais gefüttert, artgerecht aufgezogen, gehalten und versorgt. Weißes Kalbfleisch kommt von Kälbern, die ausschließlich mit Milch aufgezogen werden.

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