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Züchten: Passion und Leidenschaft

Die Ausbildung Jungzüchter Profi soll vor allem den zukünftigen HofübernehmerInnen Perspektiven und neue Chancen bieten. Aus diesem Grund wird dem Bereich „Zucht und Züchtung in der Praxis“ viel Beachtung geschenkt. Die TeilnehmerInnen des Produktionsschwerpunktes Milch wurden von 17. bis 18. Februar 2018 in der Berufsschule Schärding theoretisch und auf 3 Landwirtschaftlichen Betrieben praktisch zu diesem Thema geschult.

1 + 1 ≠ 2

Praxis steht bei der Ausbildung zum Jungzüchter Profi an oberster Stelle. 

Züchten heißt denken in Generationen und ist komplexer als von manchem erwartet. Das soll heißen, dass gerade in der Zucht nicht immer 1 +1 automatisch 2 ist. „Es sind enorm viele Faktoren, die den erkennbaren Zuchtfortschritt beeinflussen“, so der Referent des ersten Tages, Dr. Christian Fürst von der ZuchtData. „Die gesamte Zucht stützt sich auf die Zuchtwertschätzung. Diese Schätzung kombiniert Leistung, Abstammung und Genom-Information in bestmöglicher Weise. Für die Praxis soll das heißen, dass jede Paarung eine gezielte Paarung sein soll, um den höchstmöglichen Zuchtfortschritt zu erreichen. Eine Züchtung ohne genomische Selektion ist mittlerweile undenkbar. Der genomische Zuchtwert ist aussagekräftiger als der Ahnenindex, kann aber nicht als Garantie herangezogen werden. Um die genomische Zuchtwertschätzung noch genauer zu machen und um das genetische Potential unserer Zuchtherden noch besser nützen zu können, müssen in Zukunft mehr weibliche Tiere typisiert werden. Vor allem im Bereich der Gesundheitszuchtwerte kann die Typisierung weiblicher Tiere enorme Vorteile und Fortschritte bringen. Die Zuchtwertschätzung ist ein wichtiges züchterisches Hilfsmittel, kann aber die Entscheidungen des Züchters selbst nicht ersetzen und kein Zuchtziel vorgeben.“

Die Fleckviehkuh der Zukunft

Kühe sollten immer im "Arbeitsgewand" linear beschrieben werden. 

„Die Fleckviehkuh der Zukunft gibt 8.000 kg Milch, ist problemlos, anpassungsfähig und genetisch hornlos“, so zitiert der Referent Dr. Josef Miesenberger, den ehemaligen Fleckviehzüchter ÖkR Karl Grundböck aus Niederösterreich und zeigt damit auf, dass die FV-Zucht auf diesem Weg ist. Wichtig ist, dass die Landwirte mit den Weiterentwicklungen der Zucht mitgehen und somit reaktionsfähig bleiben, vor allem beim Thema Hornloszucht. Ein wichtiger Indikator der die Zucht beeinflusst, ist das Marktgeschehen. Wenn die Vermarktungsmöglichkeiten außerordentlich gut sind, wird junge Genetik oft verkauft und die alte Genetik im Stall behalten. Wichtig ist vor allem bei der Zucht das Wissen rund um die Heritabilität – sprich die Erblichkeit verschiedener Eigenschaften. So hat man züchterisch einen sehr geringen Einfluss auf die Fruchtbarkeit, da diese nur eine Heritabilität von 2% aufweist.

Die Herausforderungen in Zukunft liegen laut Miesenberger ganz klar in der Hand der Züchter: „Mit der genomischen Selektion haben wir ein neues Hilfsmittel und Werkzeug, wir und die Züchter müssen lernen mit diesem Werkzeug umzugehen und es bestmöglich zu nutzen.“

Im Anschluss an die theoretischen Ausführungen, lernten die Jungzüchterprofis, wie Zucht in der Praxis funktioniert. Als Demonstrationsbetrieb wurde das Landesgut Otterbach herangezogen. Neben der Besprechung einiger züchterisch interessanten Kühe, wurde gleichzeitig die Nachzuchtbeurteilung mit Hilfe von Fleck Score gelehrt.

Leidenschaft für Leistung

Die Exterieurbeurteilung an der lebenden Kuh hat so manchen Teilnehmer zum nachdenken angeregt. 

Roland Hartl, Zuchtleiter der Rasse Holstein beim Rinderzuchtverband Oberösterreich, stellte am Sonntagnachmittag das Zuchtprogramm der Rasse Holstein vor. Das Zuchtziel dieser Rasse liegt darin, eine hohe Leistung im Bereich der Milch mit hoher Nutzungsdauer zu kombinieren.

Die Rasse Holstein weist weltweit die größte Population auf. Die Zuchtwertschätzung (ZWS) erfolgt für die Rasse zur Gänze über das VIT-Verden. Bei den übrigen Rassen erfolgt die ZWS gemeinsam mit Deutschland. Hartl betonte mehrmals, dass Züchtung und ein erkennbarer Zuchtfortschritt wesentlich von der Zusammenarbeit von Züchter, Zuchtverband, Landeskontrollverband, Zucht Data und den Besamungsstationen abhängig ist.

Diese Zusammenarbeit konnte am bekannten Zuchtbetrieb der Familie Moser in St. Aegidi veranschaulicht werden. Die Familie züchtet erfolgreich Holsteinkühe mit Schaupotenzial und zeigte einige sehr gut eingestufte Kühe her, um ein Gefühl für das Bewertungsschema der Rasse Holstein zu bekommen. Gleichzeitig versuchten die TeilnehmerInnen in Zusammenarbeit mit Roland Hartl, einige Jungkühe linear einzustufen.

Braunvieh – Lineares Beschreibungssystem überzeugt

Roland Hartl erklärte anhand dieser Zeichnung die wichtige Funktion des Umdrehers. 

Damit auch die Braunviehzüchter auf ihre Kosten kommen und einen Nutzen aus dem Wochenende ziehen, wurde ebenfalls das Zuchtprogramm vorgestellt. Da die Rassen Holstein und Braunvieh sehr ähnlich in der Beurteilung sind, wurden die Unterschiede der linearen Beschreibung sehr gut herausgearbeitet. Vor allem der Unterschied in der Benotung des Beckens ist erheblich. So ist die Rasse Braunvieh die einzige Hauptrasse, bei der die Lage des Umdrehers, welcher sich zwischen Sitz- und Hüftbeinhöcker befindet, erfasst wird. Mit Hilfe der Erfassung des Umdrehers kann auf die Hinterbeinstellung und die Bewegungsfähigkeit der Kuh geschlossen werden.

Von anderen Lernen

Muttergebundene Kälberaufzucht in der Herde funktoniert sehr gut und vermindert vor allem bei der gebärenden den Stress. 

Am Samstagabend besuchten die TeilnehmerInnen gemeinsam mit Roland Hartl den Holstein Zuchtbetrieb Bachschweller in Andorf. Der Betrieb hat sich für eine arbeitseffiziente Bauweise entschieden. Oberstes Ziel ist, den täglichen Betrieb mit nur einer Arbeitskraft zu bewerkstelligen. Die Familie Bachschweller-Stöckl entschied sich für einen Kompoststall mit zwei Melkrobotern. Das fortschrittliche Denken des Betriebes ist auch in Bezug auf die Kälberaufzucht erkennbar, dass diese mutterbezogen aufgezogen werden. Vor allem der Selektionsbereich nach dem Melkbereich überzeugte alle. Neben der Rinderhaltung, wurde der Bereich Biomüllverwertung mittels Biogasanlage als zweites Standbein eingerichtet.

Ein herzliches Dankeschön bei allen Betrieben für das Öffnen Ihrer Stalltüren!

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