Sprachauswahl


Kälberaufzucht: Basis für Langlebigkeit

Die Landwirtschaftliche Fachschule Kobenz nahm die Jungzüchterprofis sehr herzlich als seine Gäste von Samstag, den 3. bis Sonntag, den 4. Februar 2018 auf. Das Modul 5 wurde unter dem Titel „Rundum die Geburt und Kälberaufzucht“ abgehalten. Als ReferentInnen konnten die Experten DI Gertrude Freudenberger von der LK Steiermark und Dr. Walter Peinhopf gewonnen werden. Ein besonderes Highlight bei der Jungzüchterprofi Ausbildung ist die praxisnahe Wissensvermittlung und das Gefühl, einer Gruppe Gleichgesinnter anzugehören.

Kolostrum Versorgung ist der erste Schritt zur gesunden Kuh

Kälberaufzucht: Basis für Langlebigkeit

Das erste Gemelk einer Kuh nach der Geburt wird als Kolostrum bezeichnet und stellt die wichtigste Mahlzeit für das neugeborene Kalb da. In der ersten Milch findet man vor allem einen sehr hohen Wert an Immunglobuline die für die Gesundheit des Kalbes überlebensnotwenig sind, da Kälber ohne eigenes Immunsystem zur Welt kommen.

Vor allem Kolostrum von älteren Kühen gilt als besonders wertvoll, da diese schon lange erfolgreich betriebspezifische Abwehrstoffe gebildet haben. Empfehlenswert ist, immer ein wenig eingefrorene Kolostrum zur Verfügung zu haben. Für die Aufbewahrung des Kolostrums ist es empfehlenswert diese in Plastiksackerl oder flachen Gefäßen einzufrieren, da diese sehr schnell auftauen und somit der Verlust an Immunglobule sehr gering ist. Wenn die Biestmilch über 60°C aufgetaut wird, kommt es zu einem Verlust von 10% Immunglobuline. Problematisch ist ebenfalls, dass die in Flaschen aufbewahrte Biestmilch sehr langsam auftaut und das Kalb aber dieses „Wunderelexier“ innerhalb der ersten vier bis maximal acht Stunden ad libitum braucht.

Die Qualität der Biestmilch ist entscheidend

Mit Hilfe eines Refraktometers kann die Qualität des Kolostrums sehr einfach bestimmt werden. 

Die Qualität des Kolostrums ist am leichtesten über die Viskosität zu beurteilen. Die Farbe sagt wenig aus, da diese meist von der Beta Karotin Versorgung der Kuh abhängt.

Bei der Qualitätsbestimmung kann eine Spindel sehr hilfreich sein. Bei der Anwendung einer Spindel gilt es allerdings zu beachten, dass die Milch 20°C haben muss, da diese darauf geeicht ist. Gemessen wird bei allen Systemen, auch beim Refraktometer die Dichte. Kolostrumreserven sollten nicht länger als 6 Monate eingefroren werden. Das wichtigste Gemelk für die Kolstrumversorgung des Kalbes ist das Erste.

Versorgung des Kalbes mit Spuren- und Mengenelementen

Da Selen in vielen Gebieten Österreichs ein mangelndes Spurenelement ist, ist es empfehlenswert, die Kuh bereits beim Trockenstellen mittels Selen-Boli zu versorgen. Kälber haben oftmals nach der Geburt einen Eisenmangel, der für die Blutbildung enorm wichtig ist. Um die Kälber optimal zu versorgen sollte hierbei immer Rücksprache mit dem Betreuungstierarzt gehalten werden.

Kalbinnenaufzucht – Erstbesamungsalter beachten

Oftmals wird in vielen Betrieben noch nach dem Alter der Tiere besamt. Es ist allerdings empfehlenswert das Gewicht der Kalbinnen exakt einschätzen zu können. So sollte das Gewicht bei der Besamung von Milchrassen um die 400 kg und bei Doppelnutzungsrassen wie Fleckvieh bei ca. 420 kg liegen. Nach erfolgreicher Besamung sollten die Energieversorgung der Kalbinnen möglichst geringgehalten werden, damit die Tiere nicht verfetten. Erst im letzten Viertel der Trächtigkeit sollte das Tier wieder Energiebetonter gefüttert werden, da das Kalb hier sehr schnell wächst und viel Energie benötigt.

Special Needs – Besondere Bereiche für Trockenstehende einrichten

Die Jungzüchterprofis erhielten einen Einblick in den vorbildlich adaptierten Special Needs Bereich der Familie Schnedl. 

Die Trockenstehzeit kann auch als Erholungszeit für die Kuh gesehen werden, da diese für die Regeneration des Euters sehr wichtig ist. Eine trächtige Kuh nimmt in dieser Zeit enorm an Gewicht zu und braucht viel Ruhe. Aus diesem Grund sollte ein eigener Bereich mit genügend Stroh, Luft, Licht und Wasserversorgung geschaffen werden. Rinder fühlen sich in der Herde am wohlsten und sollten gerade in der Zeit vor der Geburt durch Herdentrennung nicht zu viel Stress ausgesetzt sein.

Geburt eines Kalbes = Grundlage für die Fruchtbarkeit

Viele Landwirte meinen, dass es erst nachdem die Kuh nicht trächtig wurde ein Fruchtbarkeitsproblem gibt. Diese Fehlannahme führt immer wieder dazu, dass viele Kühe eine erhöhte Zwischenkalbezeit haben. Die Grundlage für die Fruchtbarkeit einer Kuh wird während der Geburtsphase bereits gelegt. Grundvoraussetzung ist dabei Ruhe! Eine Kuh braucht diese bei der Geburt, damit sie ihr Kalb zur Welt bringt. Die Ausschüttung von Stresshormonen verhindert die Fortsetzung der natürlichen Geburt. Es kann bis zu 6 Stunden dauern, bis man die Beine des Kälbchens zu Gesicht bekommt. Am besten ist es, die Temperatur der Kuh im geburtsnahen Zeitraum immer um dieselbe Uhrzeit zu messen. Hierbei kann diese auf bis zu 40°C ansteigen. 24 Stunden vor der Geburt sinkt die Temperatur um 1°C ab, dies ist ein Indiz für eine nahende Geburt.

Wenn es eng wird…

Richtige Geburtshilfe muss gelernt sein und beginnt mit dem Anlegen der Geburtsstricke. 

Es kann vorkommen, dass man einer Kuh bei der Geburt behilflich sein muss. Erste Grundregel dabei: Hygiene. Zwei Kübel Wasser, davon einer mit warmen Wasser für die Reinigung der Hände und einer mit kaltem Wasser für eine eventuelle Reanimation des Kalbes, sind die Basis.

Falls der Geburtsvorgang schon lange dauert und die Schleimummantelung im Geburtsbereich nachlässt kann es hilfreich sein, Staubzucker einzusetzen. Dieser wird um den Ring der Gebärmutter einmassiert und wirkt zugleich keimhemmend, da er Wasser entzieht.

Wenn ein Kalb dennoch im Becken stecken bleibe, muss unbedingt der Naben abgetrennt werden. Denn in dieser Lage, wenn der Nabel noch mit der Kuh verbunden ist, bekommt das Kalb noch keine Luft durch die Lunge, sondern die Versorgung erfolgt nur noch bedingt, aufgrund der Quetschung der Nabelschnur, über die Mutter. Erst wenn das Kalb zu atmen beginnt kann weitergezogen werden.

Sehr hilfreich ist es auch, wenn die Kuh aufgetrieben wird. Dadurch verändert sich die gesamte Situation und die Kälber kommen oft, auch wenn die Geburt vorher als kritisch eingestuft wurde, ganz von alleine auf die Welt.

Das Modul 5 war mit der Besichtigung von drei Praxisbetrieben sehr lehr- und ereignisreich. So konnten die Jungzüchterprofis ihr Wissen rund um die Kälberaufzucht am Betrieb Luckner in Kraubath erweitern. Familie Grasser aus St. Lorenzen zeigte uns mit ihrem Kompoststall, dass Kuhkomfort das A&O ist. Am Betrieb der Familie Schnedl beeindruckte vor allem der hervorragende Special Needs- Bereich für die trockenstehenden Kühe. Ein herzliches Dankeschön an alle drei Betriebe, dass die Jungzüchterprofis ihr System kennenlernen durften.

zurück