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Leistungsprüfung und Qualitätssicherung im Trend

Im aktuellen Kontrolljahr 2018 (Oktober 2017 – September 2018) erreichte die österreichweite Leistungs- und Qualitätssicherung einen neuen Rekordwert.

Entwicklung des Prozentsatzes der unter Milchleistungsprüfung stehenden Kühe seit 1995.

Quelle: ZAR

 

 

In Summe stehen 80,7% aller Milchkühe unter einer lückenlosen monatlichen Leistungs- und Qualitätsüberprüfung. Acht Landeskontrollverbände erheben 9-11 Mal im Jahr auf genau 19 704 Kontrollbetrieben mit 428 307 Kontrollkühen Daten wie Milchmenge, Milchinhaltsstoffe sowie sämtliche Fitness- und Gesundheitsparameter. Die Daten werden in den Bundesländern Niederösterreich, Oberösterreich, der Steiermark und in Teilen Salzburgs bereits über Handhelds vor Ort im Melkstand eingegeben und elektronisch an die ZuchtData EDV-Dienstleistungen GmbH mit Sitz in Wien übermittelt. An der Entwicklung einer Android-Version für die elektronische Eingabe der erhobenen Daten für alle LKVs wird bereits gearbeitet. Unmittelbar nach der Kontrolle erhält der Züchter die Auswertungen seines gesamten Kuhbestandes. Der Landwirt hat so einen raschen Überblick über die wichtigsten Eckdaten seiner Herde und kann so etwaige Problemtiere relativ einfach herausfiltern. Stimmt der Landwirt der Datenweitergabe zu, so hat sein betreuender Tierarzt Zugriff auf die Leistungs- und Gesundheitsdaten seiner Herde und weiß im besten Fall schon vor der Ankunft auf dem Betrieb, welche Tiere einer genaueren Beobachtung unterzogen werden müssen.

Jährliche Leistungszu- bzw. –abnahme seit 1950. Die jährliche Steigerung der Milchleistung betrug seit 1950 70 kg Milch je Kuh und Jahr. In diesem Jahr passierte der Rekordzuwachs von 290 kg je Kuh und Jahr und liegt damit mehr als das Vierfache über dem langjährigen Leistungszuwachs.

Quelle: ZAR

Kontrolldichte auch heuer wieder gestiegen

Der Vergleich zwischen den Bundesländern weist Oberösterreich mit 4 200 Betrieben und 127 000 Kühen als produktionsstärkstes Bundesland aus, das sind knapp 30% aller Kühe. Niederösterreich folgt mit 86 000 Kontrollkühen, das sind 20,1% aller Kühe. Die meisten Kontrollbetriebe gibt es mit einem Anteil von einem Viertel oder 4 800 Betrieben in Tirol. Dafür weisen diese Betriebe mit 11,7 Kühen je Betrieb die mit Abstand kleinsten Strukturen auf. Punkto Betriebsgröße führt das Burgenland klar mit 39 Kühen je Betrieb, ebenso in der Kategorie der Durchschnittsleistung. Hier wurden im Schnitt 8 460 kg je Kuh und Jahr ermolken. Der österreichweite Schnitt liegt bei 7 724 kg Milch bei 4,12% Fett und 3,42% Eiweiß. Auch der diesjährige Leistungszuwachs fiel im Burgenland mit einem Plus von 482 kg je Kuh und Jahr mit Abstand am höchsten aus. Österreichweit betrug dieser 290 kg, was einen absoluten Rekord in der Geschichte der Milchleistungsprüfung darstellt. Tatsächlich betrug der jährliche Leistungszuwachs seit 1950 im Schnitt 70 kg Milch je Kuh und Jahr. Die höchsten Fettprozente mit 4,28% im Schnitt wurden ebenfalls im Burgenland erzielt, die höchsten Eiweiß-Prozente wurden mit durchschnittlich 3,47% in Oberösterreich gemessen. Vorarlberg ist in Relation zum gesamten Milchkuhbestand das kontrollintensivste Bundesland. Hier stehen 92,0% aller Kühe unter Leistungsprüfung, gefolgt von Tirol mit 91,3% und Niederösterreich mit 83,9%. Im Leistungsvergleich über die Rassen hinweg führt die Rasse Holstein mit 8 945 kg, gefolgt vom Fleckvieh mit 7 661 kg sowie die Rasse Braunvieh mit 7 461 kg.

Vergleich Kontrollbetriebe, Kontrollkühe, Kontrolldichte, Herdengröße, durchschnittliche Milchleistung mit Fett- und EW-Prozent in den einzelnen Bundesländern.

Quelle: ZAR

Futterknappheit verringert Kuhbestände

In diesem Jahr spielten neben der Weiterentwicklung der Genetik auch einige Umweltfaktoren eine wesentliche Rolle. Aufgrund des trockenen Sommers im aktuellen Jahr mussten viele Bauern ihren Viehbestand reduzieren. Der gesamte Kontrollkuhbestand reduzierte sich um 4 300 Kühe. Die aktuelle Auswertung vom Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT) per 1. September 2018 weist ebenfalls einen starken Rückgang der Milchkuhbestände aus. Die Anzahl der Milchkühe ging alleine in den Sommermonaten um -7 165 Stück, fast dreimal so stark wie im Mittel die fünf vorangegangenen Jahre (-2 573 Stück) zurück. Genetisch schwächere Tiere wurden verkauft, die leistungsstärkeren verblieben im Bestand. In der Folge erhöhten sich die durchschnittlichen Leistungen der im Bestand verbliebenen Kühe. Es ist anzunehmen, dass sich auch in den kommenden Monaten die Bestände aufgrund der regional unterschiedlichen drastischen Futtersituationen noch weiter verringern werden und sich dadurch die durchschnittlichen Einzeltierleistungen noch weiter erhöhen.

Leistungsentwicklung aller Kontrollkühe seit 1950. Die Durchschnittsleistung aller Kühe legte um 290 kg auf 7.727 kg Milch je Kuh und Jahr zu.

Quelle: ZAR

Gute Grundfutterqualitäten aus 2017

Ein weiterer Effekt der Leistungssteigerung war ein in den Grünlandgebieten durchwegs ertragreiches Vegetationsjahr 2017 als Basis für sehr gute Grundfutterqualitäten. Das bestätigt auch Ing. Reinhard Resch von der HBLFA Raumberg-Gumpenstein: „In den Grassilagen des 1. und 4. Aufwuchses von 2017 wurden um einiges höhere durchschnittliche Zuckergehalte gemessen, was sich als zusätzlicher Energieschub für die Kühe und in weiterer Folge auf deren Leistung auswirkte. Die Grundfutterqualitäten der analysierten Proben waren hervorragend. Noch nie konnten derart niedrige Buttersäurewerte gemessen werden. Die Silagen waren weniger verschmutzt und deutlich besser in der Gärqualität. Derart gute Qualitäten erhöhen zusätzlich die Futteraufnahme der Kühe“, so Resch. Neben der Professionalisierung der Landwirte bei der Futtereinbringung leistete auch die Witterung im Vegetationsjahr 2017 dazu einen wichtigen Beitrag. In den Grünlandgebieten gab es im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt 1/3 mehr Niederschlag und dennoch zählte dieser Sommer zu den sonnigsten überhaupt. Mit September 2017 setzte bereits die deutliche Steigerung der durchschnittlichen Milchleistung ein, die sich auch im Jahr 2018 fortsetzte.

Text und Grafiken: ZAR/Kalcher

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