Sprachauswahl


Jungzüchterprofi - Perspektiven der Reproduktionstechnik

Unter dem Titel „Zucht-Spezial“ trafen sich die Jungzüchter/innen am Samstag, den 1. Dezember 2018, an der Oberösterreichischen Besamungsstation Hohenzell zum Aufbaumodul des Jungzüchterprofis. Für die fachliche Expertise standen Dr. Hermann Schwarzenbacher von der ZuchtData sowie im Bereich der Reproduktionstechnik Mag. Franz Viehböck und Hubert Schrems als Referenten zur Verfügung.

A2-Milch und genetische Besonderheiten

Motivierte Jungzüchter/innen beim Aufbaumodul 4 mit Dr. Hermann Schwarzenbacher

Das Thema A2-Milch bringt die Problematik mit, dass es bisher keine wissenschaftlich belegten Hinweise und vor allem unabhängige Humanstudien gibt. Diese „spezielle“ Milch wurde bereits in den 1970 Jahren entdeckt und kommt auch bei Schafen und Ziegen vor. Besonders interessant ist, dass Menschen mit Laktoseintoleranz anscheinend diese Milch besser vertragen als „normale“. Wissenschaftlich konnte diese allerdings noch nicht bewiesen werden.

Genetische Besonderheiten, anders bezeichnet als „Erbfehler“, würden in der Zucht einen Rückschritt bedeuten. Denn wenn wir alle uns bekannten Erbfehler ausmerzen würden, würden wir einen Zuchtfortschritt von 8-9% verlieren und es gäbe keine Garantie, dass es nicht durch eine zufällige Mutation zu anderen, neuen, uns noch unbekannten Erbfehlern kommen könnte.

Reproduktionstechnologien als Chance?

Stierpräsentation der Besamungsstation Oberösterreich Hohenzell

Im Bereich der Reproduktionstechnologien wird sehr viel geforscht. Während in anderen Ländern die In-vitro-Fertilisation – Befruchtung im Reagenzglas -  an der Tagesordnung steht, wird bei uns die In-vivo-Methode – am lebendigen Tier -  sehr erfolgreich umgesetzt.

In Österreich werden vor allem Tiere mit besonderen Eigenschaften zur Verbesserung der gesamten Population mittels Embryotransfer gespült, um so eine größere Anzahl an Nachkommen zu erhalten. Diese Methode wird über die Stimulation der Eierstöcke, einer sogenannten Superovulation, durchgeführt. Die gereiften Eier werden mit gezielt ausgewählten Sperma besamt und am siebten Tag nach der Befruchtung aus den Gebärmutterhörnern ausgespült. Die Embryonen werden untersucht und wenn möglich sofort „frisch“ an geeignete Trägertiere verpflanzt.
Die Chance einer erfolgreichen Einnistung des Embryos im Trägertier ist 50:50.

Erfahrungen aus Sicht des Landwirtes

Einblicke in den Betrieb von Hubert Schrems

Der ehemalige Obmann der FIH-Jungzüchter, Hubert Schrems, stellte in Anschluss seinen Betrieb und seine Erfahrungen in Zusammenhang mit Embryotransfer (ET) vor. Sehr fortschrittlich denkend startete der Betrieb im August 2013 mit seinem ersten Embryotransfer. Genaue Aufzeichnungen und Tierbeobachtungen sind laut Schrems unerlässlich für die Umsetzung eines erfolgreichen Embryotransfers. Seine Erfahrungen und die Ergebnisse der genomischen Zuchtwertschätzung bestätigen, dass in der Zucht 1+1 nicht immer zwei bedeutet. Besonders interessant war auch die Kostenaufstellung eines ETs. Hierfür sind nicht nur die Kosten des Tierarztes und der Arzneien zu berücksichtigen. Ein Erfolg, der auch Nebenwirkungen hat, denen sich jeder Landwirt vor einem ET bewusst sein muss. Embryonen zu verkaufen ist derzeit für Schrems keine Alternative, obwohl er sagt, dass es für ihn immer schwieriger wird, passende Trägertiere für die herausgespülten Embryonen zu finden. Das Risiko, dass der verkaufte Embryo höhere bzw. bessere Zuchtwerte haben könnte, als die Embryonen die er sich zurückbehält, will er nicht eingehen.

zurück