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Eutergesundheit und Antibiotikaeinsatz

Gutbesuchtes ZAR-Seminar in Salzburg.

 

Rund 120 TeilnehmerInnen bekamen beim diesjährigen ZAR-Seminar im Salzburger Heffterhof ein Fachprogramm auf sehr hohem Niveau geboten.

ZAR-Obmann Stefan Lindner sieht in den Ergebnissen des Forschungsprojektes ADDA einen wichtigen Beitrag für die Weiterentwicklung der österreichischen Rinderzucht und der Milchproduktion. Technologien, die vor kurzem noch im Forschungsstadium waren, sind heute im breiten Routineeinsatz. So wird es auch bei diesem aktuellen Projekt sein, das den  Bäuerinnen und Bauern einen wesentlichen Nutzen für die praktische Arbeit bringen wird. Forschung leistet dazu einen wichtigen Beitrag. Die Erkenntnisse können dadurch direkt auf den bäuerlichen Betrieben umgesetzt werden.

Dr. Martin Wagner (Vetmeduni Wien) eröffnete den Seminartag und präsentierte einen Überblick über das K-Projekt ADDA – Advancement of Dairying in Austria. Dies ist ein landwirtschaftlich orientiertes Kompetenzprojekt, das in den Jahren 2014-2017 erfolgreich mit der RINDERZUCHT AUSTRIA und erstmals über diese Förderschiene abgewickelt wurde. Es wurde im Rahmen von COMET – Competence Centers for Excellent Technologies durch die Ministerien BMVIT, BMWFJ, das Land Niederösterreich und die Stadt Wien gefördert und über die Forschungsförderungsgemeinschaft FFG abgewickelt.

„Eine Projektlaufzeit von 3 Jahren ist für ein Projekt wie ADDA mit umfangreichen Erhebungen auf an den Projektstudien beteiligten Betrieben zu kurz, um alle Analysen abschließen und publizieren zu können, weitere Ergebnisse werden folgen“, berichtet Dr. Christa Egger-Danner (ZuchtData). Gesunde Euter sind sowohl für die Milchqualität, die Wirtschaftlichkeit der Milchproduktion als auch für das Tierwohl und die Lebensmittelsicherheit von Bedeutung und sparen dem Milchproduzenten enorme Kosten. Ein konstantes Monitoring der Arbeitsabläufe am Betrieb ist notwendig, um frühzeitig mögliche Fehlentwicklungen zu erkennen und gegenzusteuern. Die am häufigsten verwendete Kennzahl zur Beschreibung der Eutergesundheit ist die Zellzahl mit dem Grenzwert von 100.000 Zellen/ml. Einen sehr guten Überblick bietet hier der monatliche Tagesbericht. Interessant ist jedenfalls die Entwicklung, dass trotz steigender Milchleistung in den vergangenen Jahren kontinuierlich auch die Eutergesundheit gestiegen ist.

Mag. Clair Firth (Vetmeduni Wien) stellte den Einsatz von Antibiotika in der Mastitistherapie sowie Resistenzen vor. Zusätzlich wurden die Zusammenhänge zwischen akuten Mastitiden sowie Tier-, Management- und Umweltfaktoren am Betrieb ermittelt. Um diese Zusammenhänge zu eruieren, wurden Fragebögen an über 250 ZüchterInnen sowie an die behandelnden TierärztInnen ausgesandt. Weiters haben die MitarbeiterInnen der LKVs sowie z.T. private Molkereien einen Fragebogen über Melktechnik und Melkhygiene der jeweiligen Betriebe ausgefüllt. Von allen verdächtigen Kühen wurden Viertelgemelksproben über ein Zeitrahmen von einem Jahr an ADDA (TGD) Labore geschickt, mit dem Ziel Bakterien zu isolieren bzw. die Sensibilität der Isolate mittels Antibiogramm zu testen.

V.l.: Dr. Annemarie Käsbohrer (Vetmeduni Wien), Ing. Franz Täubl (Obmann LKV Stmk.), DI Marlene Suntinger (ZuchtData), Dr. Martin Wagner (Vetmeduni Wien), Mag. Clair Firth (Vetmeduni Wien), DI Michael Wöckinger (LK OÖ), Dr. Christa Egger-Danner (ZuchtData), Dr. Johann Sölkner (BOKU), Dr. Franz Ebner (Tierarzt), DI Martin Stegfellner (ZAR-GF), Stefan Lindner (ZAR-Obmann), Dr. Walter Obritzhauser (Tierarzt).

Dr. Walter Obritzhauser (Tierarzt) zeigte mögliche Strategien zur Reduktion des Arzneimitteleinsatzes in Milchviehbetrieben auf. Antibiotika sind Wirkstoffe, die das Wachstum von Bakterien hemmen oder diese abtöten können und haben als Arzneimittel zur Behandlung bakterieller Infektionskrankheiten in der Medizin größte Bedeutung. Das vermehrte Auftreten von Antibiotikaresistenzen sind nach Schätzungen des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) Bakterien für 25 000 Todesfälle pro Jahr in Europa verantwortlich. Antibiotika sind unverzichtbar zur Therapie und Gesunderhaltung von Tieren und Tierbeständen. Deren Einsatz ist jedoch nur in den Fällen gerechtfertigt, bei denen er tatsächlich erforderlich ist.

In seinem 2. Referat zeigte er die österreichweite Harmonisierung der bakteriologischen Milchuntersuchung auf. Im Rahmen von ADDA erfolgte die Integration der Ergebnisse aus der bakteriologischen Milchuntersuchung in die RDV-Datenbank (Rinderdatenverbund). Voraussetzung dafür war die Harmonisierung der Methode der bakteriologischen Viertelgemelksuntersuchung. Die Übermittlung und Verarbeitung von Daten aus bakteriologischen Milchuntersuchungen wurde erfolgreich getestet. Nach Abschluss des Projektes kann nun die Integration der Daten aus der bakteriologischen Milchuntersuchung in den Rinderdatenverbund erfolgen, jedoch nur mit Zustimmung des Tierhalters.

Die Trockenstehperiode ist ein wichtiger Zeitraum, in dem die Eutergesundheit maßgeblich beeinflusst werden kann, berichtete Dr. Volker Krömker von der Hochschule Hannover. In der Trockenperiode können bestehende Infektionen der Milchdrüse ausheilen, aber auch Neuinfektionen entstehen. Klinische Mastitiden oder erhöhte Zellgehalte in der Frühlaktation sind oft die Folge von Infektionen aus der Trockenperiode. Ein effektives Eutergesundheitsmanagement in der Trockenperiode ist wichtig, um Milchkühen einen guten Start in die Laktation zu ermöglichen. Die mittlere Neuinfektionsrate in der Trockenstehperiode auf Herdenebene betrug im Jahr 2015 in Deutschland 26%.

Die aktuellen Antibiotikaresistenzen in den heimischen Milchviehbetrieben analysierte Dr. Annemarie Käsbohrer (Vetmeduni Wien). Resistente Mikroorganismen treten beim Menschen, bei Tieren, in Lebensmitteln und in der Umwelt auf. Die Resistenzbildung ist ein natürlicher Prozess, die Hauptursache für ihre Entwicklung und zunehmende Verbreitung ist aber der Einsatz antimikrobieller Substanzen in der Human- und Veterinärmedizin, insbesondere ihr unsachgemäßer Einsatz. Für eine erfolgreiche und gezielte Behandlung ist es wichtig, dass eine korrekte Diagnose gestellt wird. Hierfür muss das Eutersekret auch mikrobiologisch untersucht werden und die nachgewiesenen Erreger identifiziert werden. Die Ergebnisse zeigen, dass Staphylokokken die am häufigsten nachweisbaren Erreger von Mastitiden in österreichischen Milchrinderherden sind.

Über den Nutzen der bakteriologischen Milchuntersuchung (BU) für die Zucht und das Herdenmanagement referierte DI Marlene Suntinger (ZuchtData). Mastitis resultiert überwiegend aus dem Zusammenwirken von ungünstigen Umwelt- und Managementfaktoren, dem Eindringen und Vermehren von pathogenen Mikroorganismen sowie tierindividuellen Faktoren. Bakteriologische Milchuntersuchungen geben Auskunft über den ursächlichen Erreger einer Entzündung oder haben das Potenzial das Vorliegen von subklinischen Erkrankungen aufzudecken. Daher wäre es anzudenken, positive BU oder ausgewählte Erregergruppen als zusätzlichen Mastitisnachweis zu nutzen. Dies könnte zu einer vollständigeren Erfassung der Eutergesundheit in Österreich, speziell im Bereich subklinischer Mastitiden, führen und folglich die Sicherheiten für die geschätzten Zuchtwerte erhöhen.

Die betriebswirtschaftliche Seite zur Eutergesundheit analysierte DI Michael Wöckinger (LK OÖ). In Österreich gab es 2017 ca. 28.000 Milchlieferanten, welche von ca. 543.000 Kühen etwa 3,3 Mio. Tonnen an Verarbeitungsbetriebe geliefert haben. Über 99% dieser Milch ist ohne Qualitätsabzüge, ca. 90% davon befindet sich in der S-Klasse. Das zeigt, dass sich die Milchqualität und damit auch die Eutergesundheit auf relativ hohem Niveau bewegen. Beste Milchqualität ist auch die Grundlage, den bestmöglichen Milchpreis zu erzielen und damit ein erheblicher Faktor für den wirtschaftlichen Erfolg in der Milchviehhaltung. Mit der Broschüre Eutergesundheit der LK steht ein umfassender Überblick zum Thema Eutergesundheit zur Verfügung.

Die Umsetzung der Eutergesundheit und deren Herausforderungen im Rahmen der täglichen Melkarbeit auf dem Landwirtschaftlichen Betrieb in Partnerschaft mit dem Tierarzt analysierten Ing. Andreas Täubl mit seinem Hoftierarzt Dr. Franz Ebner. Der Tagesbericht der LKVs dient dabei als wertvolle Grundlage für einen raschen Überblick über den Gesundheitszustand der gesamten Herde. Problemkühe können sofort erkannt und notfalls Sofortmaßnahmen getroffen werden. Der Einsatz des Schalmtests ist in der Praxis ein schnelles, kostengünstiges und einfaches Hilfsmittel zur Abschätzung der Anzahl der somatischen Zellen in jedem einzelnen Viertel. Für eine erfolgreiche Bekämpfung sind jedenfalls die Kenntnis des sogenannten „Leitkeims“ und der optimale Zeitpunkt der Behandlung von Bedeutung. Entsprechend daraus kann die fachgerächte Bekämpfung abgeleitet werden. Sein Betriebsziel: Wirtschaftliche Kühe, die gerne alt werden!

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