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Klasse statt Masse: Erzeugung bester Qualität

Die Gemeinsame Agrarpolitik steht vor großen Herausforderungen.

Gastkommentar von Ferdinand Lembacher, seit 25. Jänner 2018 Generalsekretär der Landwirtschaftskammer Österreich.

Der BREXIT, die Bewältigung der Migrationsströme und die Klimaänderung sind nur drei Bereiche, die das EU-Budget belasten und Begehrlichkeiten auf das Agrarbudget auslösen. Selbst im ländlichen Raum ist vielen zu wenig bewusst, wie wichtig die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU für uns alle ist. Österreich gehört zu jenen europäischen Ländern, die besonders stark von der zweiten GAP-Säule, der Ländlichen Entwicklung, profitieren. In diesen Bereich fallen u.a. der Ausgleich für Berg- und benachteiligte Gebiete, Junglandwirte-Förderungen, Investitionsförderung, Bildungsinitiativen und das Agrarumweltprogramm inkl. BIO.

Unsere Bäuerinnen und Bauern bekommen dabei Leistungen abgegolten, die sie per Vertrag für die Allgemeinheit erbringen. Vor allem unsere Rinderhalter liefern regionale Qualitätslebensmittel sowie die Grundlage für Tourismus, Artenvielfalt und einen lebendigen ländlichen Raum.

Wenn die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP), die auch „gemeinsam“ bleiben sollte, nun reformiert wird, ist es von größter Bedeutung, die gut funktionierenden Strukturen sowie ausreichende Finanzmittel abzusichern und das bisher Erreichte nicht zu gefährden. Kontinuität ist gerade in der Landwirtschaft unverzichtbar. Es bedarf aber auch zusätzlicher Antworten und geeigneter Instrumente zur Marktgestaltung und Risikoabsicherung – und das für alle Produktionssparten der Land- und Forstwirtschaft. Gleichzeitig muss endlich ein Abbau von Bürokratie und Erhöhung der Rechtssicherheit für die Bauern gelingen.

Für die österreichische Landwirtschaft, vor allem aber für die Veredler von Grünland in hochwertiges tierisches Eiweiß kann die Zukunft nur in der Erzeugung bester Qualität liegen, also Klasse statt Masse!

Von der Wertschätzung in Sonntagsreden muss es zu mehr Wertschöpfung für die Bauern in der Realität kommen. Initiativen wie das Bestbieter- statt dem Billigstbieter-Prinzip müssen vom österreichischen Regierungsprogramm in die Realität gebracht werden und auch auf europäischer Ebene Gehör finden. Regionalität, Tierwohl, Herkunftskennzeichnung und Artenvielfalt dürfen nicht nur Forderung an die Bauern bleiben, sondern müssen auch jenen Nutzen bringen, die sie liefern.

Als neuer Generalsekretär der Landwirtschaftskammer Österreich werde ich mich gemeinsam mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Landeskammern und den Verbänden dafür einsetzen, dass die Bäuerinnen und Bauern angemessen wertgeschätzt und für ihre Leistungen entschädigt werden.

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