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KetoMIR- Neuer Ketoseindikator aus der Milchleistungsprüfung

Ketose ist eine Stoffwechselerkrankung der Milchkuh, die vor allem in den ersten Wochen nach der Kalbung durch Energiemangel auftritt. Akute Ketose in den ersten 120 Laktationstagen bewirkt Leistungseinbußen über die gesamte Milchproduktion. 

Die Grundlage der Daten für den neuen Ketoseindex liefern die Milchproben jeder Einzelkuh aus der Milchleistungsprüfung.

Die Ursachen sind sehr vielfältig: fette Tiere, hohe Milchleistung, schlechte Futterqualität, Hitze, Zwillingsträchtigkeiten oder –geburten.

Symptome für eine Ketose sind fallende Milchleistung, niedriger Milcheiweißgehalt, erhöhter Milchfettgehalt, Abmagerung oder Mattheit. Die Anzeichen werden oft nicht sofort erkannt und die Erkrankung kann schnell von subklinisch auf klinisch übergehen. Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto besser ist der Behandlungserfolg und umso geringer der Milchverlust.

Eine Möglichkeit zur frühzeitigen Erkennung betroffener Tiere bietet zukünftig ein dreistufiger Ketoseindex im Projekt KetoMIR. Die Anwendung wurde im Rahmen eines europäischen Projektes basierend auf Ketose- Diagnosen aus dem GMON- Projekt und MIR-Spektraldaten entwickelt. Diese ist bereits seit zwei Jahren in Baden-Württemberg erfolgreich im Einsatz.

KetoMIR errechnet für MLP-Proben aus den ersten 120 Laktationstagen eine von drei Ketose- Risikoklassen (gering-mittel-hoch) und ist in der Startphase als Online-Programm im LKV- Herdenmanager integriert.

Es werden drei spezielle Grafiken zur Verfügung gestellt. Diese liefern einerseits eine Übersicht über die Entwicklung des Ketoserisikos der Herde über das komplette Prüfungsjahr, andererseits können Risikotiere sofort erkannt und Maßnahmen getroffen werden. Die Ampelfarben grün – gelb – rot liefern dabei einfache und optisch gut aufbereitete Entscheidungshilfen.

Ein erhöhtes Ketoserisiko ist mit einem verminderten Milchertrag der Kuh gekoppelt. Aus diesem Grund ist es für die Wirtschaftlichkeit des Betriebes von großer Bedeutung, risikogefährdete Tiere sobald als möglich zu erkennen und zu behandeln. Aus Praxisdaten ist bekannt, dass eine Milchkuh in der Risikoklasse drei in den ersten sechs Laktationswochen mehr als zehn Kilogramm Milch pro Tag verlieren kann.

Um einer Ketose vorzubeugen ist vor allem die Fütterung ein bedeutender Faktor. Eine Verfettung der Tiere ist vor allem im letzten Laktationsdrittel zu vermeiden. Auch die Futterqualität spielt eine wichtige Rolle, um eine ausreichende Nährstoffaufnahme zu gewährleisten. Silagen mit hohem Buttersäuregehalt sollen unbedingt vermieden werden, da Buttersäure eine direkte Vorstufe der Ketonkörper ist.Bei Bedarf kann die Milchkuh durch die Gabe von Propylenglycol oder Glycerin energetisch unterstützt werden.

Die RDV-Anwendung KetoMIR ermöglicht ein schnelles, effizientes, zuverlässiges und kostengünstiges Ketose-Risiko-Monitoring für die ganze Herde und steht im LKV-Herdenmanager zur Verfügung.

Fazit für die Praxis

KetoMIR ist ein Warnsystem zur Unterstützung des Herdenmanagements in den ersten 120 Laktationstagen wie z.B. der bisherige Fett/Eweißquotient, ist aber keine Diagnose. Aktuelle Praxistests zeigen sehr hohe Zuverlässigkeiten. Bei gesunden Kühen (grüner Bereich) werden mehr als 90% der Tiere als tatsächlich gesund erkannt. Bei kranken Kühen (roter Bereich) liegt dieser Prozentsatz bei rund 70%. Es wird empfohlen Kühe im gelben und roten Bereich sehr genau zu beobachten, um rechtzeitig zu reagieren und gezielte Maßnahmen setzen zu können.

Autoren: Desiree Minichberger (LfL) und DI Franz Tiefenthaller (LK OÖ)

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