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Österreichische Fleischrinderzüchter auf Tour

Die zweite Fleischrinder Austria Fachreise führte 29 Teilnehmer, darunter der neu gewählte Obmann Walter Steinberger, an fünf Tagen über Bayern nach Luxemburg und Belgien. Neben Betriebsbesichtigungen stand Agrarpolitik in Brüssel auf dem Programm, auch die Kultur und Kulinarisches kamen nicht zu kurz.

Österreichische Genetik überzeugt in Bayern

Am Charolaiszuchtbetrieb von Rudolf Koas und Martina Kleinschroth-Koas traf Obmann-Stellvertreter Gerhard Pucher auf den von ihm gezüchteten Deckstier Moses Pp, der 2013 von den fränkischen Züchtern angekauft wurde. Österreichische Fleischrinder sind in den letzten Jahren im Ausland immer stärker nachgefragt, wie die steigenden Exportzahlen zeigen. Auch Moses erwies sich als Aushängeschild für die österreichische Fleischrinderzucht, die Züchterfamilie ist mit den Nachkommen sehr zufrieden.

Auch am Fleckvieh-Fleisch Zuchtbetrieb von Familie Bleisteiner wird auf österreichische Genetik gesetzt – wenn auch aus der Paillette. Norbert Bleisteiner setzt in seiner 35-köpfigen Mutterkuhherde ausschließlich auf künstliche Besamung. Unter anderem hat er einige Nachkommen von dem in Kärnten gezüchteten Barbarossa in der Herde, einer davon wurde von einer Besamungsstation angekauft.

Obmann-Stv. Gerhard Pucher mit Deckstier Moses

Luxemburg – international erfolgreich

Die Luxemburger Fleischrinderzucht ist international sehr erfolgreich und anerkannt. Auch nach Österreich wurden bereits Tiere verschiedener Rassen verkauft. Die Kollegen der CONVIS, dem luxemburgischen Zuchtverband, haben eine Tour zusammengestellt, die die ganze Breite der Fleischrinderzucht im Großherzogtum zeige.

Familie Jans züchtet seit einigen Jahren die französische Robustrasse Aubrac. Seit 2003 gibt es die Rasse in Luxemburg und sie hat sich in kurzer Zeit sehr gut entwickelt. Besonders die unproblematischen Abkalbungen und die guten Muttereigenschaften der Kühe hob der Züchter als große Vorteile hervor. Dies ist auch der Grund, weshalb Aubrac in ihrem Ursprungsland Frankreich gerne als Mutterrasse in der Gebrauchskreuzung verwendet werden.

Limousin ist die zahlenmäßig größte Fleischrinderrasse Luxemburgs – die Besichtigung eines Zuchtbetriebes war somit Pflicht. Robert Duhr war in den 70ern einer der ersten Limousinzüchter im Land. Der Name ist international sehr bekannt, auch nach Österreich wurden zahlreiche Zuchttiere exportiert. Neben den Mutterkühen gibt es auch eine Holsteinherde, die seit einigen Jahren mit einem Melkroboter gemolken wird. Die Kombination von Milch- und Mutterkühen ist in Luxemburg häufig anzutreffen.

Seit 1995 gibt es in Luxemburg das Markenfleisch Programm „Cactus“ von der gleichnamigen Supermarktkette. Cactus-Betriebe müssen Vorschriften hinsichtlich Herkunft der Tiere, Einsatz von eingetragenen Deckbullen, Futtermittel, artgerechter Haltung und nachhaltiger Bewirtschaftung einhalten. 158 Betriebe nahmen 2016 am Programm teil. Einer davon ist der Betrieb Lamborelle in Dickweiler. Ein Teil der Masttiere wird mit einer 30-köpfigen Mutterkuhherde selbst aufgezogen, der Rest von anderen Betrieben, die ebenfalls Cactus-zertifiziert sein müssen, zugekauft. Die Haltung wurde von Vollspalten auf Stroh umgestellt. Dadurch wurden nicht nur die Tageszunahmen besser, es sind jetzt auch weniger Ausfälle zu verzeichnen.

Betrieb Lamborelle in Luxemburg

Seit 60 Jahren werden am Grundhof im Mullerthal von Familie de Schorlemer Angus gezüchtet, derzeit werden auf 200 Hektar rund 80 Kühe mit Nachzucht gehalten. Die Flächen dienen als Naturschutz-Kompensationsflächen, außerdem wird über das Label „Naturschutz Fleesch“ vermarktet.

Familie Bonert in Eppeldorf hielt bisher eine Charolais-Produktionsherde. Aufgrund der Nachfrage nach Deckstieren entschied sich der Betriebsleiter, in die Zucht einzusteigen. Der Start mit den eigenen Tieren würde zu lange dauern, daher wurden zwei Zuchtkalbinnen aus Frankreich angekauft, weitere Zuchttiere werden folgen. Der Tag klang beim gemeinsamen Abend mit Luxemburger Züchterkollegen aus, bevor es weiter nach Belgien ging.

Im Land der Weiß-Blauen Belgier

Wenn Fleischrinderzüchter in Belgien auf einer Exkursion sind, ist ein Besuch bei Weiß-Blauen Belgiern obligatorisch. Immerhin ist die Wallonie, also der französisch-sprachige Teil Belgiens die Ursprungsregion der Rasse – derzeit gibt es dort rund 500.000 Tiere der Rasse. Am Programm stand der Besuch der Besamungsstation in Ciney und eines Zuchtbetriebs.

Als weiterer fachlicher Programmpunkt stand der Besuch verschiedener EU-Institutionen mit agrarpolitischem Hintergrund in Brüssel am Programm. Andreas Thurner von der LKÖ und Gerfried Gruber von der ständigen Vertretung empfingen die Gruppe. Die Interessensvertretungen – auch die LKÖ- sind Teil der ständigen Vertretung. Außerdem ist die LKÖ Mitglied der COPA-COGECA – ein Zusammenschluss von rund 60 Bauernverbänden (COPA, hier ist die LKÖ Mitglied) und 30 Genossenschaften (COGECA).

In ihren Vorträgen erklärten sie in Grundzügen die Entscheidungsfindungen in der EU, die vielseitigen Aufgaben der ständigen Vertretung und berichteten über aktuelle Themen – allen voran die anstehenden Verhandlungen um das Agrar-Budget und mögliche Auswirkungen des Austritts Großbritanniens aus der EU. Georg Häusler, Direktor für Ressourcen der Generaldirektion Landwirtschaft bei der Europäischen Kommission ging noch näher auf den Finanzrahmen der europäischen Kommission und das Agrarbudget ein. Der Burgenländer Valentin Opfermann ist derzeit in der COPA-COGECA als Referent für Umweltfragen, Nachhaltigkeit und Forschung tätig. Er beschrieb die Aufgaben der COPA-COGECA näher. Camelia Gyorffy aus Rumänien ist Referentin für Milch, Rindfleisch und Schafe. Sie bot einen Überblick über aktuelle Themen, die den Rindfleischsektor betreffen. Besonders ging sie auf die gekoppelten Maßnahmen ein. 4,1 Milliarden werden an gekoppelten Prämien ausbezahlt – davon gehen 40 % in den Rindfleischsektor – unter anderem über Prämien für Mutterkühe, Fleischrinder und Mastrinder.

Die Vortragenden machten auch auf die aktuelle öffentliche Konsultation „Initiative zur Verbesserung der Lebensmittelversorgungskette“ aufmerksam. Besonders Landwirtinnen und Landwirte sind aufgerufen, daran teilzunehmen. https://ec.europa.eu/info/consultations/food-supply-chain_de.

 

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