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Gastkommentar von Hermann Schultes

Rinderpaket für marktorientierte Betriebe - Kommentar von Abg.z.NR Ök.-Rat Ing. Hermann Schultes, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich

Präsident Abg.z. NR Ök.-Rat Ing. Hermann Schultes

LK-Ö

Rindersektor steht in den kommenden Jahren vor Herausforderungen
Die Verhandlungen zur neuen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) sind weitgehend abgeschlossen und das österreichische Programm zur Ländlichen Entwicklung in Brüssel eingereicht. Der notwendige Umstieg in der 1. Säule vom historischen Modell zum Regionalmodell und die neuen Finanzierungserfordernisse in der Ländlichen Entwicklung bringen mit sich, dass es über alle Sparten und Sektoren hinweg Betriebe geben wird, die mehr öffentliche Gelder erhalten werden und solche, wo die Unterstützungen bis 2019 zurückgehen werden.

Neue GAP bringt „Verlierer“, aber auch „Gewinner“
Auch im Rinderbereich gibt es sehr unterschiedliche Auswirkungen. Extensive Grünlandbetriebe gehören tendenziell zu jenen, die künftig besser bedient werden können. Intensive und vor allem flächenknappe Rinderhalter in Gunst- und Übergangslagen werden dagegen noch stärker ihr Einkommen aus der Produktion und Vermarktung schöpfen müssen. Genau diese Rinderbauern sind es, die ihr Einkommen bereits jetzt zu einem hohen Anteil am Markt erwirtschaften und eben diese brauchen vor allem präzise Begleitung und Unterstützung auf den Märkten. Zusammen mit dem österreichischen Bauernbund und den Dachorganisationen der Rinderzüchter – ZAR – und  Rindermäster – ARGE-Rind – werden wir hier gemeinsam Schwerpunkte in den kommenden Jahren setzen.

Milchwirtschaft noch mitten im Strukturwandel
Viele dieser Betriebe haben in den vergangenen Jahren investiert oder stehen vor Investitionen. Die Aufstockung der Investförderung, die zum überwiegenden Teil von der Rinderwirtschaft in Anspruch genommen wird, soll genau hier verstärkt unterstützen.

Quotenauslauf als große Unbekannte am Markt
Österreich muss im Rindersektor weiter verstärktes Augenmerk auf den Qualitätsaspekt legen. Darum wurde im Programm zur Ländlichen Entwicklung hier ein Schwerpunkt gesetzt.

Grauviehkuh auf der Aifneralm, Kaunertal, Tirol

Hausegger

Angesichts des Auslaufens der Milchquote im kommenden Jahr herrscht im Milchbereich bald vollständig der freie Markt. Die verbesserte Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette ist sowohl im Bereich Rindfleisch, aber noch mehr bei der Milch, unerlässlich. Die bessere Vernetzung von Produzenten, von Verarbeitern und letztendlich auch vom Handel und den Konsumenten ist somit ein Gebot der Stunde. Hier wird auch die Landwirtschaftskammer Überzeugungsarbeit bei allen Beteiligten leisten. Der Zuchtviehexport hat sich in den vergangenen Jahren zu einem zusätzlichen Einkommensstandbein für die heimischen Zuchtbetriebe entwickelt. Die Quarantänekosten und die veterinären Untersuchungen beim Export sind inzwischen zu einer großen Herausforderung geworden. Dies ist ein sensibler Bereich, der großes Engagement der betreffenden Ministerien und der Veterinärverwaltung genauso braucht, wie die starke Einbindung der Wirtschaftskammer. Der Sektor alleine ist hier überfordert. Auch hier werden wir eine Arbeitsgruppe installieren.

Rinderstandort Österreich langfristig absichern
Nicht nur die Investitionen in Gebäude und Maschinen sichert die Zukunft, noch wichtiger ist die Investition in die Bildung. Die landwirtschaftlichen Fach- und Mittelschulen sind der Grundstock, auf dem mit gezielten Bildungsprojekten aufgebaut wird. Maßnahmen wie der Jungzüchterprofi sind ausgerichtet, um den künftigen Betriebsführern ein geeignetes Werkzeug in die Hand zu geben. Die Fortführung dieser Aktivitäten werden wir jedenfalls unterstützen.

Österreich – ein Züchterland
Durch innovative Forschungsprojekte hat sich der Rinderstandort Österreich international einen Namen erarbeitet. Forschung und Innovation sind auch seitens der EU zentrale Schwerpunkte. Es liegt nun an uns, zusammen mit den Rinderbauern zu sorgen, dass diese Gelder letztendlich den Bauern zu Gute kommen und sich am Markt positiv niederschlagen. Wir werden alles daran setzen, dem Sektor hier mehr Mitspracherecht bei der Verwendung der Forschungsgelder einzuräumen.

Braunviehkühe im Stall

Kleinstrukturierte Sektoren brauchen starke Infrastruktur
Die heimische Rinderwirtschaft ist im europäischen Vergleich klein-strukturiert. Warum die österreichischen Rinderbauern trotzdem in der Vergangenheit so erfolgreich waren, liegt auch in der gut funktionierenden Infrastruktur. Das betrifft sowohl die gesetzliche Interessenvertretung als auch die Tierzucht-Dachorganisationen. Gerade diese haben in Österreich viele Aufgaben übernommen, welche in anderen Ländern vom Betrieb selbst organisiert werden müssen. Wir werden keine Mühen scheuen, sicher zu stellen, dass die Verbände auch künftig die hohe Qualität der österreichischen Rinderwirtschaft absichern helfen und den Betrieben die notwendigen Instrumente und Werkzeuge bieten können. Die genannten Bausteine werden wir in den kommenden Jahren intensiv in Form eines „Rindermarktpaketes“ bearbeiten. Dies bedarf einen Zusammenschluss der betroffenen Ministerien, der Landwirtschaftskammer-Österreich, der Agrarmarkt-Austria, der Wirtschaftskammer und aller Stakeholder entlang der Wertschöpfungsketten Milch und Fleisch zur Absicherung des Rinderstandortes Österreich und im Interesse der gesamten österreichischen Bevölkerung.

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