Sprachauswahl


39. ICAR Kongress in Berlin

650 Teilnehmer aus 58 Nationen trafen sich Mitte Mai in Berlin zum zweijährigen Informationsaustausch über Entwicklungen und Trends der Milchleistungsprüfung.

ICAR (International Committee for Animal Recording) ist die weltweite Dachorganisation der Milchleistungsprüfung. Hauptaufgabe ist eine möglichst einheitliche und standardisierte Abwicklung der Leistungsprüfung.  Die dafür notwendigen Richtlinien wurden daher von ICAR ausgearbeitet und beschlossen sowie die Umsetzung in Form von Audits überprüft und mit dem ICAR Qualitätszertifikat bestätigt.

Einige Vertreter aus Österreich besuchten den ICAR Kongress in Berlin.
Von links nach rechts: DI Karl Zottl Geschäftsführer LKV NÖ, DI Markus Koblmüller Geschäftsführer LFL OÖ, DI Franz Schallerl Geschäftsführer LKV Stmk, Dr. Christa Egger-Danner Expertin Zuchtdata Wien, Ing. Martin Mayerhofer Geschäftsführer Zuchtdata Wien, Josef Mair LKV-Österreichsprecher und Obmann LFL OÖ, MMag. Hans-Stefan Augustin Geschäftsführer LKV Austria Qualitätsmanagement GmbH

Koblmüller

In der Generalversammlung wurde Hans Wilmink (CRV Holland) zum neuen Vorsitzenden gewählt. Er folgt in dieser Funktion dem Dänen Uffe Laurittsen nach. Ein wichtiges Ziel von ICAR ist es vor allem mit den Dienstleistungen der Leistungsprüfung die Wirtschaftlichkeit der Mitglieder zu verbessern. Dabei sind die aktuellen Trends in der landwirtschaftlichen Produktion, Züchtung und elektronischen Datenverarbeitung zu beachten.

  • Betriebsgrößen und Produktivität steigen
  • Nachhaltigkeit und Kosteneffizienz werden wichtiger
  • Öffentliche Mittel sind rückläufig
  • Gesellschaft fordert
    • eine gute landwirtschaftliche Praxis mit hohen Standards in der Lebensmittelsicherheit und im Tierschutz
    • einen schonenden Umgang mit Ressourcen
    • eine Senkung der Emissionen aus der tierischen Veredelung
  • Lizenzen und Patente werden die Produktion verstärkt beeinflussen
  • Genomische Selektion bringt neue Informationsquellen und Geschwindigkeiten in der Züchtung
  • Vernetzung der Systeme in der Lebensmittelkette mit einfacher Bereitstellung der  verschiedensten Daten in Data processing centers (Clouds)
  • Kooperationen in allen Bereichen (Landwirte, Dienstleister) sind verstärkt notwendig

Wichtige EU-Themen der Tierproduktion betreffen die Weiterentwicklung der Tierkennzeichnung in Richtung elektronische Systeme, die Erarbeitung von klaren Richtlinien für die Vermehrung (v.a. Klonen) sowie die Überarbeitung des aktuellen EU-Tierzuchtgesetzes.

Umfangreiches Fachprogramm

Knapp 60 Fachvorträge aus allen Regionen der Welt beleuchteten die verschiedenen Fachthemen in den einzelnen Ländern.  Die wichtigsten Blöcke waren die Weiterentwicklung der aktuellen Richtlinien,  die Probenahme inkl. Untersuchung,  die Verbesserung der Tiergesundheit mit Entwicklung neuer Parameter, die EDV unterstützte Datenerfassung und -verarbeitung sowie die Leistungsprüfung bei Schafen und Ziegen.

Aktuelle Aktivitäten betreffen die stärkere Integration von Daten aus den Laboren und Melksystemen. So läuft ein Pilotversuch zum besseren und rationelleren Datenaustausch zwischen Melkroboterfirmen und LKV´s. Dies wird von Organisationen aus Deutschland, Holland und Frankreich mit den bekannten Herstellern Lely, DeLaval und Lemmer Fullwood durchgeführt. Auffallend ist, dass in Ländern mit sehr großen Herden (z.B.: USA) die Entwicklung von einheitlichen Standards für die Herstellerfirmen und Landwirte zunehmend schwieriger wird.

An einem Nachmittag wurden auch lokale Einrichtungen der Rinderzucht im Bundesland Brandenburg (Leistungsprüfung, Zuchtverband und Besamung, Molkerei, Forschungsanstalt und Institut für Risikomanagement) besichtigt. Mit im Programm war auch ein typischer Milchviehbetrieb zwischen 300 und 1.000 HF Kühen, in der Regel in Kombination mit einer betriebseigenen Biogasanlage.

Österreich ist gut unterwegs

Die Erfahrungen aus der Tagung zeigen, dass Österreich mit dem aktuellen Kontrollsystem und Serviceangebot der Leistungsprüfung für die Mitglieder im internationalen Vergleich vorne mit dabei ist. Vor allem die moderne Datenerfassung inklusive Datenaufbereitung und Rückmeldung durch den Rinderdatenverbund beweist, dass überregionale Zusammenarbeit ein Schlüssel zum Erfolg ist.

Im Bundesland Brandenburg stehen rund 450 Betriebe mit knapp 150.000 Kontrollkühen unter Milchleistungsprüfung. Der Durchschnittsbetrieb hält mehr als 300 Kühe, die Kontrolldichte ist mit 95 % auf sehr hohem Niveau.

So bietet der RDV nicht nur die Sicherheit der gemeinsamen Weiterentwicklung sondern als Kooperation der beteiligten Organisationen in Baden-Württemberg, Bayern, Schlewig-Holstein und Österreich zum Beispiel über die deutsche Mitarbeit im angesprochenen Pilotprojekt zur Roboterdaten Übernahme die Gewissheit, dass die Ergebnisse auch bei uns umgesetzt werden können.

Die starke Orientierung zur Verbesserung der Tiergesundheit ist in vielen anderen Regionen  nicht selbstverständlich bzw. am Beginn. Die Vorreiterrolle Österreichs in diesem Bereich wird vor allem durch den Vorsitz in der entsprechenden Arbeitsgruppe von Dr. Christa Egger Danner  international gewürdigt.

Im Rahmen der Vollversammlung wurde an Österreich auch das neue ICAR Qualitätszertifikat überreicht. Basis war das erfolgreiche Audit im September 2013.

Besondere Anerkennung wurde DI Franz Schaller, LKV Steiermark,  zu teil. Er erhielt als Anerkennung seiner langjährigen aktiven Arbeit in der Arbeitsgruppe“ Milchleistungsprüfung“ ein Ehrendiplom vor versammeltem Auditorium. Für die österreichischen Organisationen ist es zudem hilfreich zu wissen, dass seine persönliche Expertise aus dieser Tätigkeit und der weiterhin von ihm aktiv wahrgenommenen Rolle als Auditor für das ICAR Qualitätszertifikates für die Weiterentwicklung der Leistungsprüfung auch für Österreich zur Verfügung steht.

zurück